Schwachstellen-Analyse-Tool
Wahrnehmen, Bewerten, Handeln
Stand: Juni 2026
- Johannes Bünger, Moorgut Kartzfehn Turkey Breeder GmbH
- Henri Grave, Naturland NRW e.V.
- Bettina Gräfin von Spee, Verband Deutscher Putenerzeuger e.V.
- Franziska Hagen, Deutscher Tierschutzbund e.V.
- Friedrich Wilhelm Haver-Rassfeld, Meierhof Rassfeld
- Silke Schierhold, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
- Jens von Seggern, Landwirt
- Dr. Heinrich Windhaus, Die Praxis für Geflügel GbR
- Hannah Kanwischer, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
- Constanze Lüntzel, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
- Marc-Andre Kruse-Friedrich, DLG e.V.
- Marc Schneeweis, medianet elektronische Kommunikation & Marketing GmbH
- Oliver Sahner, medianet elektronische Kommunikation & Marketing GmbH
Förderhinweis
Dieses Dokument wurde im Rahmen des Verbundprojektes Netzwerk Fokus Tierwohl, Förderkennzeichen 28N419TA 01 bis 28N419TA 17, durch die Arbeitsgruppe „Pute“ des Tierwohl-Kompetenzzentrums Geflügel erarbeitet und durch DLG e.V. methodisch-didaktisch aufbereitet.
Das Verbundprojekt der Landwirtschaftskammern und landwirtschaftlichen Einrichtungen aller Bundesländer hat das Ziel, den Wissenstransfer in die Praxis zu verbessern, um rinder-, schweine- und geflügelhaltende Betriebe hinsichtlich einer tierwohlgerechten, umweltschonenden und nachhaltigen Nutztierhaltung zukunftsfähig zu machen.
Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Alle Informationen und Hinweise ohne jede Gewähr und Haftung.
Herausgeber
DLG e.V.
Fachzentrum Landwirtschaft
Eschborner Landstraße 122
60489 Frankfurt am Main
Vervielfältigung und Übertragung einzelner Textabschnitte, Zeichnungen oder Bilder (auch für den Zweck der Unterrichtsgestaltung) sowie Bereitstellung des Merkblattes im Ganzen oder in Teilen zur Ansicht oder zum Download durch Dritte nur nach vorheriger Genehmigung durch die fachlich zuständige Geschäftsstelle des Tierwohl-Kompetenzzentrums und DLG e.V., Servicebereich Marketing, Tel. +49 69 24788-209, [email protected]
Einführung
Um das Tierwohl, und hier auch insbesondere die Gesundheit einer Putenherde, auf einem stetig hohen Niveau zu halten, bedarf es eines guten Managements. Unter anderem sind ein optimales Stallklima sowie eine bedarfsgerechte Futter- und Wasserversorgung wichtige Faktoren über die gesamte Haltungsperiode. Insbesondere eine trockene und lockere Einstreu sowie bei Zugang zu Außenklima, ein gutes Auslaufmanagement tragen zur Gesunderhaltung und erwartungsgemäßen Entwicklung einer Herde bei.
Beschäftigungsmaterialien und Strukturelemente wie z. B. Strohballen oder erhöhte Ebenen ermöglichen den Tieren u. a. ihrem natürlichen Erkundungs- und Ruheverhalten nachzugehen. Das Risiko und Ausmaß von Verhaltensauffälligkeiten wie Feder- und Beschädigungspicken kann durch ein adäquates Angebot vermindert werden.
Um dauerhaft eine tiergerechte Putenhaltung sicherzustellen, spielt die Früherkennung von Abweichungen sowohl bei der Herdenentwicklung, dem Verhalten, als auch in der Haltungsumwelt eine bedeutende Rolle. Die Basis hierfür ist eine regelmäßige und sorgsam durchgeführte Einzeltier- und Bestandskontrolle in Kombination mit einer stetig durchgeführten Dokumentation auf der Stallkarte. Beides hilft auftretende Probleme schon in der Entstehung zu erkennen (wahrnehmen und bewerten), wenn nötig frühzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen (handeln) und auf Erfolg zu prüfen, sowie bei Bedarf anzupassen.
Da die Gewichtsentwicklung der Tiere ein wichtiger Indikator für die Fitness der Herde ist, sollten zusätzliche Zwischenauswertungen, z. B. alle 4 Wochen, sowie bei Übernahme der Tiere aus einem vorherigen Haltungsabschnitt und nach einem Futterwechsel durchgeführt werden. Zusätzlich zur Gewichtsentwicklung sollten noch weitere ressourcen- und tierbezogene Indikatoren erfasst und bewertet werden. So kann die Entwicklung der Tiere kontinuierlich verfolgt werden. Sie ermöglichen, bei Bedarf eine frühzeitige Handlung bereits während des Durchgangs, sollten Zielwerte im Hinblick auf beispielsweise die Tiergesundheit und/oder die Leistungsentwicklung der Tiere nicht erreicht werden. Zusätzlich helfen kontinuierliche Aufzeichnungen, in Verbindung mit den Schlachtbefunden (Mortalität, Brusthautveränderungen (Hähne), Verwürfe, Fußballengesundheit & Federtote), verschiedene Durchgänge miteinander zu vergleichen (Benchmark) und Abweichungen als einmalig, oder wiederholt zu erkennen und zu vermeiden.
Ziel dieses Tools ist es, in praktikabler Weise zu veranschaulichen, worauf u. a. bei der täglichen Tierkontrolle und den Zwischenauswertungen zu achten ist, wie die Ergebnisse interpretiert und welche Maßnahmen ergriffen werden können.