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Hautverletzungen durch Beschädigungspicken

Beschädigungspicken ist eine Verhaltensstörung, die sich bei Puten durch das gegenseitige Bepicken befiederter und nicht befiederter Körperregionen zeigt. Hierdurch können große Wunden entstehen, die mit Schmerzen einhergehen und zu Verlusten führen können. Es gilt einem „Pickausbruch“ in der Herde durch geschicktes Management und ausreichende Beschäftigung vorzubeugen. Durch intensive Tierbeobachtungen bei der täglichen Tierkontrolle lassen sich anhand von Verhaltensänderungen in der Herde mögliche „Pickausbrüche“ frühzeitig erkennen, sodass Maßnahmen ergriffen werden können. Hierbei sind Puten, insbesondere in den kritischen Lebensabschnitten (z. B. Futterumstellung, Gefiederwechsel, Wetterumschwung), intensiv zu kontrollieren. Verletzte Tiere sollten möglichst früh isoliert werden.
Da es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt, ist eine einzelne Ursache meist nicht sicher auszumachen. Informationen hinsichtlich der Durchführung und Auswertung von Tierbonituren finden sich unter anderem im KTBL-Leitfaden für die Praxis – Geflügel9 und den entsprechenden Vorschlägen zu Ziel- und Alarmwerten für die betriebliche Eigenkontrolle10.

Soll-Zustand

Es werden bei der Tierbonitur keine Hautverletzungen/Wunden vorgefunden.

Abweichender Zustand

Hautverletzungen in Form von Pick- oder Kratzverletzungen (beschädigendes Picken, Abb. 21/22) treten häufig an den Flügeln und am Schwanz der Puten sowie an gering- oder nichtbefiederten Stellen (z. B. Kopf, Stirnzapfen, Hals oder Kloake) des Tierkörpers auf. Verletzungen am Kopf und den Kopfanhängen treten zumeist mit Eintritt der Geschlechtsreife und insbesondere bei Hähnen auf. Darüber hinaus kann es zu Kannibalismus kommen, wenn Verletzungen nachfolgend durch Artgenossen bepickt werden. 

Maßnahmen

Auf Einzeltierebene
  • Die Tiere sollten intensiv auf Verletzungen und Wunden kontrolliert werden, ggf. bei Vorfinden von Blutflecken auch unter dem Gefieder 

  • Verletzte Tiere mit offenen Wunden müssen separiert und ggf. mit Zinkspray behandelt werden

  • Bei großen offenen Verletzungen, die mit Leiden und/oder länger anhaltenden Schmerzen einhergehen und eine Eintrittspforte für Erreger bieten, müssen die Tiere je nach Schwere der Verletzungen soweit erforderlich tierschutzgerecht betäubt und getötet werden 

  • Die separierten Tiere bedürfen weiterhin intensiver Kontrolle 

  • Bei Unsicherheit, ist ein Tierarzt / eine Tierärztin hinzuzuziehen 

Auf Herdenebene
  • Bei Pickgeschehen gilt es frühzeitig zu intervenieren, um den Ausbruch einzudämmen. Hierzu bietet es sich an, den Puten, soweit möglich, frische Einstreu und zusätzliches, unbekanntes Beschäftigungsmaterial zur Verfügung zu stellen (siehe Beispiele).

  • Beispielsweise kann die Gabe von Kochsalz (circa 1 - 2 kg/ 1000 L Wasser) über 2 3 Tage Abhilfe schaffen2. Die Gabe von Magnesiumverbindungen oder Tryptophan kann erfahrungsgemäß ebenfalls eine beruhigende Wirkung auf die Herde haben (Hersteller- / Tierarzt- / Tierärztinangaben beachten)

  • Abtrennungen im Stall können den angegriffenen Tieren Schutz bieten

  • Kurzzeitige, deutliche Reduzierung der Lichtintensität nach tierärztlicher Indikation (Stall muss dafür mit Möglichkeiten zur Abdunklung ausgestattet sein). Erhöhung der Lichtintensität nach 2 bis 3 Tagen schrittweise auf Ausgangsniveau

Praxishandbuch Pute

Puteneckwerte

TWW (Haltungsform)

 

 

Stall plus Platz

Frischluftstall

Auslauf

mind. 1 BM je 500 Tiere und mind. 1 SE je 1.000 Tiere1 BM je 500 Tiere1 BM pro angefangener 400 m2 nutzbarer Fläche2 BM pro angefangener 400 m2 nutzbarer Fläche2 BM pro angefangener 400 m2 nutzbarer Fläche
Organisches BM
≥ 1 Spender je 500 Tiere
 1 SE pro angefangener 400 m2 nutzbarer Fläche (Quader- /Rundballen)
0der
(zusammenhängenden) Mindestaufsitzfläche von 1,85 m2 je 400 m2 angefangener nutzbarer Stallgrundfläche
wie Stall plus Platz + Zusätzliches BM bei Federpickgeschehen ist vorzuhaltenwie Stall plus Platz + Zusätzliches BM bei Federpickgeschehen ist vorzuhalten

Tabelle 3: Übersicht über die Empfehlungen zu Beschäftigungsmaterial (BM) und Strukturelementen (SE) bei Puten.

  • Beispielsweise kann die Gabe von Kochsalz (circa 1 - 2 kg/ 1000 L Wasser) über 2 3 Tage Abhilfe schaffen2. Die Gabe von Magnesiumverbindungen oder Tryptophan kann erfahrungsgemäß ebenfalls eine beruhigende Wirkung auf die Herde haben (Hersteller- / Tierarztangaben beachten)

  • Abtrennungen im Stall können den angegriffenen Tieren Schutz bieten

  • Kurzzeitige, deutliche Reduzierung der Lichtintensität nach tierärztlicher Indikation (Stall muss dafür mit Möglichkeiten zur Abdunklung ausgestattet sein) Erhöhung der Lichtintensität nach 2 bis 3 Tagen schrittweise auf Ausgangsniveau