Atmung
Die Atmung bzw. die Atemfrequenz und der Atemtyp sind abhängig von äußeren Einflüssen, wie der Einwirkung von Hitze (z. B. Hitzestress), oder auch dem Gesundheitsstatus eines Tieres (z. B. durch Infektionen der Atemwege).
Exkurs: Atemsystem
Puten verfügen wie andere Vögel über zwei Lungenflügel sowie mehrere dünnwandige und dehnbare Ausstülpungen der Bronchien, sogenannte Luftsäcke. Anders als Hühner besitzen Puten 7 anstatt 9 Luftsäcke (Abb. 24). Die beiden Lungenflügel sind fast vollständig mit dem Brustkorb verwachsen und dadurch unbeweglich, sodass das System aus Luftsäcken, Lunge und unterstützendem Muskelapparat (z. B. Rippen-, Brustkorb-, Brustbein- und Bauchmuskeln) das fehlende Zwerchfell ersetzt. Dieses hochentwickelte und spezialisierte System ermöglicht eine äußerst effiziente Sauerstoffaufnahme. Die Luftsäcke werden hinsichtlich ihrer Aufgabe in verschiedene Luftsackgruppen eingeteilt. Durch die Ausdehnung der Luftsäcke wird die Luft mittels des hervorgerufenen Unterdrucks angesaugt (Einatmung), während bei der Ausatmung durch muskuläre Verengung des Rumpfes die Luft aus den Luftsäcken ausgestoßen wird (Blasebalg-Prinzip am Beispiel eines Vogels, siehe Animation Abb. 25).
Die Luftsäcke der hinteren Luftsackgruppe ziehen während der Einatmungsphase frische, "unverbrauchte" Luft ein, die sie dann in der Ausatmungsphase in die Parabronchien pressen. Die vordere Luftsackgruppe füllt sich in der Einatmungsphase mit „verbrauchter“ Luft, die über die Parabronchien geführt wurde. Während der Ausatmungsphase geben diese dann die Luft direkt nach außen ab. Während des Ein- und Ausatmens wird die Luft so in einem zweiphasigen Prozess durch die Luftsäcke und die Lunge geleitet.
Im Gegensatz dazu funktioniert die Atmung des Menschen über ein Unterdruckprinzip, bei dem Luft durch die Erweiterung des Brustkorbs in die Lunge eingesogen wird. Die Atemluft gelangt über Nase oder Mund, Rachen, Kehlkopf und Luftröhre in die Bronchien und schließlich in die Alveolen, wo der Gasaustausch stattfindet. Sauerstoff diffundiert dann aus den Alveolen in die Kapillaren, während Kohlendioxid aus dem Blut in die Alveolen übertritt und ausgeatmet wird. Dieser Prozess wird hauptsächlich durch das Zwerchfell und die Zwischenrippenmuskeln ermöglicht, die durch ihre Kontraktion den Brustkorb erweitern, sodass ein Unterdruck entsteht. Beim Ausatmen entspannen sich diese Muskeln wieder, das Lungenvolumen verkleinert sich und die Luft strömt passiv nach außen. Die Atmung wird überwiegend automatisch vom Atemzentrum im Gehirnstamm gesteuert, kann jedoch auch bewusst beeinflusst werden, etwa beim Sprechen oder Singen. In Ruhe atmen Erwachsene etwa 14-mal pro Minute und bewegen dabei ungefähr sieben Liter Luft20.
Das Atemsystem ist jedoch sehr empfindlich. Da die Luft nur in eine Richtung durch die Lunge strömt, ist die Luftqualität entscheidend. Erreger (wie E. coli), Staub, Ammoniak oder Schadstoffe können die Atemwege reizen und/oder zu Infektionen führen. Zudem ist das Residualvolumen an Luft sehr klein, sodass den Puten bei Belastungsstress oder kurzzeitig eingeschränkter Atmung nur wenig Restsauerstoff zur Verfügung steht. Ein weiteres Problem ergibt sich durch Hitze, die Puten u. a. über die Schleimhäute des Atemtraktes abgeben. Bei Hitzestress kommt es zur sogenannten „Schnabelatmung“. Insgesamt ist der Atmungstrakt der Pute hochspezialisiert und äußerst effizient, aber auch sehr anfällig für Störungen.
Die Atmung erfolgt überwiegend mit geschlossenem Schnabel und es sind keine auffälligen Geräusche wahrnehmbar.
Abweichender Zustand
Für ein geschultes Gehör lassen sich oftmals Atemgeräusche bei Infektions- und Entzündungsprozessen heraushören. Dazu kann auch, solange die Tiere noch leicht hochzuheben sind, ein einzelnes Tier nahe an das Ohr gehalten werden (Vorsicht vor Pickverletzungen).
Hecheln: Puten regulieren ihre Körpertemperatur fast ausschließlich über die Atmung, sodass sie bei hohen Temperaturen, insbesondere in Kombination mit hoher Luftfeuchte, häufiger bzw. intensiver atmen. Gut sichtbar ist dann die geräuschlose Schnabelatmung durch den geöffneten Schnabel. Bei Hitze oder Krankheit wird die Atmung verstärkt
Niesen: staubbedingt, besonders in der Aufzucht (siehe Geräuschkulisse)
Schnupfen (nasale Atemgeräusche): Entzündung der Nasenschleimhaut durch Infektionserreger
Geräusche aus Lunge/Parabronchien (feucht/rasselnd): virale oder bakterielle Infektionen der tieferen Atemorgane, die zu Entzündungsprozessen (Luftsackentzündung) führen können
Anstoßen (trocken) oder Luftschnappen: insbesondere bei Pilzinfektionen zu hören
Maßnahmen
Insbesondere bei Schnabelatmung in Kombination mit hohen Außentemperaturen sollte die Stalltemperatur überprüft werden. Hilfestellung gibt hier auch das Merkblatt des LAVES aus Niedersachsen zur Vermeidung von Hitzestress bei Geflügel14
Überprüfung der Lüftungseinstellungen -> Zugluft vermeiden, Luftfeuchtigkeit überprüfen
Einstreuqualität überprüfen
Sollten zusätzlich zur Schnabelatmung Atemgeräusche, Augen und Nasenausfluss und/oder Niesen und/oder Husten auftreten, ist ein fachkundiger Tierarzt / eine Tierärztin hinzuzuziehen