Mikroklima
Grundvoraussetzung für eine verlässliche Aussage und Interpretation der Klimawerte ist die Installation von Klimasensoren auf Tierhöhe (mit Pickschutz und höhenangepasst z. B durch Anbringung an Versorgungseinrichtungen, Abb. 1/2) sowie die regelmäßige Kalibrierung und Wartung.
Ein tiergerechtes Stallklima (Mikroklima) trägt maßgeblich zum Wohl der Tiere bei und wirkt sich gleichzeitig auch positiv auf die Gewichtsentwicklung der Tiere aus. Unter den Begriff „Stallklima“ fallen hier die Temperatur, die relative Luftfeuchtigkeit, die Luftqualität, sowie die Luftgeschwindigkeit. Abweichungen im Stallklima können ein Risiko für die Tiergesundheit darstellen2, u. a.:
Verminderte Tiergesundheit, die sich in höherer Krankheitsanfälligkeit, wie z. B. Atemwegsinfektionen oder schlechterer Fußballengesundheit widerspiegeln kann
Erhöhte Kreislaufbelastung (kann bei längerem Bestehen in der Aufzucht zur Ausbildung von Organveränderungen z. B. Kugelherzen führen)
Gewichtszunahmen unter Soll-Korridor
Auseinanderwachsen (mangelnde Uniformität) der Herde
Reduzierte Sauerstoffzufuhr in die Organe mit Konsequenz z. B. Bauchwassersucht besonders in der Aufzucht relevant
Vor dem Beginn der Tierkontrolle sollte durch einen Blick auf den Stallcomputer die Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit kontrolliert werden. Zu Beginn der Tierkontrolle sollte sich ein erster Eindruck von der Luftqualität verschafft werden und das Verhalten der Herde in Augenschein genommen werden. Die Verteilung der Tiere kann bereits erste Hinweise liefern, ob ggf. Anpassungen an der Lüftung oder der Temperatur vorgenommen werden müssen. Zu beachten ist, dass der Boden bei der Einstallung von Küken bereits vorgewärmt und trocken ist. Küken verlieren, abhängig von der Bodentemperatur, bis zu 50 % der Körperwärme über die Haut. Als Orientierung wird ca. 30 % der Wärme bei dünner (< 2 – 3 cm) Einstreu (Hobelspäne) an den Boden abgegeben, bei einer dickerer (8 – 10 cm) Einstreu (Hobelspäne) sind es nur etwa 5 %2.
Die Luft ist frisch und klar, keine Ammoniak- oder Staubbelastung wahrnehmbar
Schadgaskonzentration auf Tierhöhe: < 3000 ppm CO2, < 10 ppm NH3 (dauerhaft nicht > 20 ppm NH3), < 10 ppm CO1, 3
- Die relative Luftfeuchte beträgt zwischen 50 — 70 %3, bei Küken: 50 — 60 %2
Keine Zugluft wahrnehmbar, bei Küken < 0,1 m/sec, in der Mast 0,2 m/sec in kühler Jahreszeit, bei hohen Außentemperaturen < 2,5 m/sec2
Vorgewärmter Boden, minimaler Unterschied zwischen Boden- und Lufttemperatur bei Einstallung von Küken2
Gleichmäßige Verteilung der Herde im Stall
Alter | Ringaufzucht | Ringfreie Aufzucht mit Punktwärme | Ringfreie Aufzucht ohne Punktwärme | ||
|---|---|---|---|---|---|
Temp. unter Strahler (°C) | Temp. Umgebung(°C) | Temp. unter Strahler (°C) | Temp. Umgebung(°C) | Temp. Umgebung(°C) | |
Tag 1 | 38-40 | 24-25 | 38-40 | 29-31 | 36-37 |
Tag 2 | 38-40 | 24-25 | 38-40 | 29-31 | 35-36 |
Tag 3 | 38-40 | 24-25 | 38-40 | 29-31 |
|
Tage 4-7 | 38-40* | 24 (am Tag des Ausringen Temp. +1 °C) | 35-40* | Täglich Temperatur um 1°C senken | Täglich Temperatur um 1°C senken |
Woche 2 | ca. 24 | 27-28 | 27-28 | ||
Woche 3 | ca. 23 | 25-26 | 25-26 | ||
Woche 4 | ca. 22 | 23-24 | 23-24 | ||
Woche 5 | 21-22 | 21-22 | 21-22 | ||
Woche 6 | 20-21 | ||||
Woche 7 | 19-20 | ||||
Woche 8 | 18-19 | ||||
Woche 9 | 17-18 | ||||
Woche 10 bis zur Ausstallung | 10-17 | ||||
* Reduktion der Heizleistung über Ausschalten einzelner Strahler, bei Beibehaltung der gesamten Brennleistung der aktiven Strahler
Tabelle 2: Richtwerte für die Stalltemperatur in Aufzucht und Mast (Angepasst nach Informationen zur Putenmast 2021)3
Abweichender Zustand
Staubig
Luft erscheint sichtbar staubig
Man spricht von staubiger Luft, wenn der Staubgehalt > 3 mg/m3 beträgt
(ein Vergleich aus dem Arbeitsschutz: 1–5 mg/m³ → „sichtbar staubig“, z. B. leichte Werkstatttätigkeit)Quellen für Staubpartikel: Einstreu, Federn und Hautpartikel2
Einflussfaktoren, die die Bildung von Staub begünstigen2
Temperaturen im Stall in Kombination mit geringer Luftfeuchtigkeit
Luftgeschwindigkeiten (zu starke Belüftung)
Art der Einstreu und Einstreufeuchte
Einstreuqualität
Häufige Einstreubearbeitung
Kann zu Atemwegsproblemen und Infektion der Luftsäcke mit Schimmelpilzen führen
Abweichender Zustand
Feucht/stickig
ab 70 % relative Luftfeuchtigkeit1
Faktoren, die die Entstehung von hoher Luftfeuchtigkeit im Stall begünstigen
Zu feuchte Einstreu (rutschig, klebrig)
Lüftung zu niedrig eingestellt (unzureichende Abluftkapazität)
Starker Einsatz der Sprühkühlung
Feuchtes Außenklima
Kann in Verbindung mit hohen Temperaturen Hitzestress begünstigen, unter anderem zu erkennen am Tierverhalten: Tiere hecheln, spreizen Flügel ab