Die tägliche Tierkontrolle
Die tägliche Tierkontrolle sollte während der Mast mindestens zweimal, d. h. morgens und abends, durchgeführt werden. Sie erfüllt zwei wichtige Funktionen: Zum einen wird der Gesundheitsstatus und das Verhalten der Einzeltiere und einer Herde beurteilt. Zum anderen wird die Funktionsfähigkeit technischer Einrichtungen wie zur Sicherstellung der Lüftung, der Wasser- und Futterversorgung sowie die Beschaffenheit der Einstreu überprüft1.
Beim täglichen Rundgang sollte die gesamte Herde in Augenschein genommen werden. Hierzu empfiehlt es sich den Stall in Bahnen abzugehen. Kranke und verletzte Tiere suchen bevorzugt Schutz in der Nähe der Stallwände, bzw. an Abtrennungen oder Strukturelementen. Daher ist es wichtig besonders diese Bereiche in Augenschein zu nehmen.
Bei der Einzeltier- und Bestandkontrolle sollten alle Sinne – Hören, Riechen, Sehen, Fühlen und Schmecken – genutzt werden. (So kann von Zeit zu Zeit auch das Futter, ohne Abschlucken, probiert werden, um es auf Frische und Qualität zu testen.)
Im Folgenden werden zu relevanten Kriterien für die tägliche Kontrolle anhand des gewünschten Sollzustands mögliche Abweichungen und dann zu ergreifende Maßnahmen erläutert. Sollte ein abweichender Zustand vorliegen, können durch einen Klick auf das entsprechende Thema zusätzliche Informationen, mögliche Ursachen und Vorschläge für Gegenmaßnahmen gefunden werden.
Umgebungskriterien
Klima im Stall: Die Luft ist frisch und möglichst frei von Staub und Schadgasen. Es besteht keine Zugluft. Die Temperatur entspricht den Bedürfnissen der Tiere in der entsprechenden Entwicklungsphase. Die Tiere verteilen sich gleichmäßig im Stall.
Geräuschkulisse: Es sind keine Klagelaute vernehmbar. Die Herde ist ruhig und aufmerksam, aber nicht apathisch. Die Tiere geben keine Laute von sich, die auf Unruhe im Stall hinweisen. Ebenso ist kein „Niesen“ oder Atemgeräusch zu hören, was auf eine Infektion des Atemtraktes zurückzuführen wäre.
Licht: Der Stall ist gut ausgeleuchtet, alle Lampen sind funktionsfähig. Es treten keine „Sonnenflecken“ auf.
Einstreu: Die Einstreu ist locker, trocken, hygienisch unbedenklich, über die gesamte Stallfläche verteilt und kann durch die Tiere bearbeitet werden.
Futter- und Wasserbahnen: Die Futter- und Wasserbahnen sind funktionstüchtig. Die Tröge und Tränken sind ausreichend gefüllt. Das Wasser in den Tränken ist sauber und klar. Das Futter hat einen produkttypischen Geruch und weist eine gute Struktur auf. Die Anordnung und die Höhe der Futter- und Wasserbahnen gewährleisten, dass alle Tiere Futter und Wasser zu jeder Zeit gut erreichen können.
Beschäftigungsmaterial: Es steht jederzeit ausreichend geeignetes Beschäftigungsmaterial zur Verfügung.
Herde und Einzeltier
Verhalten der Herde: Die Tiere verteilen sich gleichmäßig über den gesamten Stall und machen einen alterstypischen und munteren Eindruck. Gemeinsames Ruhen in Gruppen, besonders bei Jungtieren, ist dabei arttypisch. Beim Betreten des Stalls sind die Tiere aufmerksam und reagieren neugierig auf die Anwesenheit des Tierhalters / der Tierhalterin.
Das Gefieder der Puten ist sauber, glatt und intakt.
Die Kloaken sind sauber.
Die Fußballen weisen keine Verklebungen, Risse und Verfärbungen auf.
Die Tiere zeigen keine Lahmheit und laufen ohne sich schnell wieder abzusetzen.
Die Atmung der Tiere ist unauffällig.
Die Tiere weisen keine (Pick-)Verletzungen auf.
Der Kot der Tiere ist fest, weist wenig unverdaute Bestandteile und keine Farbabweichungen auf.
Die Gewichtsentwicklung der Tiere (Nutzung einer Aufsprungwaage) entspricht der Sollkurve.
Werden bei der Einzeltier- und/oder Bestandskontrolle Abweichungen festgestellt, die auf technische Mängel, eingeschränkte Tiergesundheit, vermindertes Wohlergehen, oder das Auftreten von Beschädigungspicken hinweisen, sollte die Anzahl der Kontrollgänge je nach Stärke der Ausprägung angepasst werden. Technische Ausfälle sind umgehend zu beheben.