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Warnsignale erkennen

Häufig beschränkt sich ein Schwanzbeißgeschehen nicht nur auf eine Bucht. Daher sollten auch die (noch) nicht betroffenen Tiere aufmerksam beobachtet werden, um früheste Warnsignale zu erkennen und schnell gegensteuern zu können.

  • Intensives Manipulieren der Buchteneinrichtung, der anderen Schweine oder des Tierbetreuers kann ein Signal dafür sein, dass den Schweinen Möglichkeiten fehlen, ihren natürlichen Erkundungs- und Wühltrieb angemessen auszuüben. Oft sind die Tiere gestresst oder frustriert.
  • Stark wedelnde Schwänze oder hängende, eingeklemmte Schwänze sind häufig ein Zeichen von Unbehagen oder Unzufriedenheit der Schweine. Ursächlich können gesundheitliche Probleme, aber auch nicht adäquate Umweltbedingungen infrage kommen.
  • Einzelne kleinere Tiere, die obsessiv beißen, haben oft unerkannte z.T. chronische Erkrankungen. Auch Tiere mit struppigem Haarkleid, Haarlosigkeit oder sehr blasse Tiere sind häufig (chronisch) krank. Infolge ihres geringeren Wachstums und schlechten Gesundheitszustandes kommen sie sekundär in eine Situation des verminderten Zugangs zu Ressourcen (Futter, Wasser, aber auch Möglichkeiten zur Thermoregulation, Beschäftigungsmaterial etc.).
  • Fieber ist ein wichtiges Frühwarnsignal für das Erkennen eines bevorstehenden Schwanzbeißausbruchs. Ursächlich können sehr verschiedene Krankheitskomplexe sein.
  • Unruhige, nervöse Tiere, ein verstärktes Wühlverhalten, aber auch vermehrtes Sitzen/ Knien können erste Warnsignale darstellen.  
  • Leere Bäuche und eingefallene Flanken können auf gesundheitliche Probleme des Verdauungssystems hindeuten. Durchfälle, Appetitlosigkeit, aber auch Fehlmischungen der Rationen oder ein zu weites Tier-Fressplatz-Verhältnis können ursächlich in Frage kommen. Ein Schwanzbeißgeschehen kann die Folge sein.
  • Intensives Kauverhalten oder Zähneknirschen kann auf einen Mangel an Rohfaser und infolgedessen auf eine Übersäuerung des Magens (mit ggf. nachfolgender Magenschleimhautreizung oder beginnendem Magengeschwür) hinweisen.
  • Belly Nosing (Flankenbewühlen) ist eine Ersatzhandlung für einen mangelhaft ausgelebten Saugreflex z.B. durch zu frühes Absetzen.
  • Bei geringgradigen Verletzungen durch Besaugen oder Beknabbern durch Buchtengenossen sollte schnellstmöglich eingegriffen werden, um eine weitere Eskalation des Schwanzbeißgeschehens zu verhindern. Nach Möglichkeit sollte das beißende Tier aus der Gruppe entfernt werden (siehe Modul 1). Ablenkende Maßnahmen sind hier dringend erforderlich (siehe Modul 2).
  • Blanke und haarlose Schwänze können auf eine beginnende Nekrose als Symptom des „swine inflammation and necrosis syndrome“ (SINS) hindeuten. Nach anfänglicher Entzündung des Schwanzes kommt es infolge einer mangelhaften Durchblutung der kleinen körperfernen Gefäße zum Absterben der Schwanzspitzen. Oft ist auch das Ohrspitzengewebe betroffen. Als erstes Anzeichen sind die Ohrvenen gestaut. Auch Kronsaumentzündungen können Anzeichen von SINS sein.
  • Infolge der Nekrose an Ohr- und Schwanzspitzen wird das Beknabbern durch Artgenossen häufig geduldet, da nekrotisches Gewebe oft juckt. Spätestens wenn Blut austritt, lässt sich das Schwanzbeißen nur noch schwer unter Kontrolle bringen. (siehe Modul 4)

  • Auch die Ödemkrankheit, verursacht durch toxinbildende E.coli-Bakterien, kann ursächlich für einen Schwanzbeißausbruch infrage kommen. Erste Anzeichen sind u.a. Schwellungen an den Augenlidern und auf dem Nasenrücken oder vermehrte plötzliche Todesfälle.
  • Ein Wassermangel (oft in Kombination mit nicht adäquater Möglichkeit zur Thermoregulation) kann zu Schwanzbeissen führen. Erste Signale können eine „Warteschlange“ an Tränkesystemen, durch ranghöhere Tiere blockierte Tränken, aber auch auffallend trockene Böden durch reduzierten Harnabsatz sein. Die Tiere können dann ungewöhnlich sauber erscheinen (siehe Modul 4: Ursachen).
  • Hitzestress der Schweine erkennt man am stark verstreuten Liegeverhalten der Tiere. Als Kontaktkühler suchen die Tiere vor allem feuchte und kühle Bodenbeläge auf. Die begehrtesten Liegeplätze sind dann auf Betonspalten unter den Tränken zu finden – der dadurch blockierte Zugang zu den Tränken kann Wassermangel für rangniedere Tiere bedeuten. Suhlen im Kot- und Harnbereich führt zur übermäßigen Verschmutzung der Tiere.
  • Praktiker berichten zudem, dass die Buchtenstruktur nicht (mehr) entsprechend ihrer Funktion angenommen wird.