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Behandlung gebissener Schweine

Die Erkennung von Schwanzläsionen und deren Schweregrad ist entscheidend für die richtige Einschätzung der Behandlungsnotwendigkeit. Eine regelmäßige Kontrolle der Tiere ist notwendig, um Verletzungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln. Daher sollte die Kontrollfrequenz bei den ersten Anzeichen eines Schwanzbeißgeschehens stark erhöht werden! Nur so können schwerere Schäden vermieden werden. Fiebermessen hilft, den Schweregrad von Verletzungen einzuschätzen. Außerdem trägt es dazu bei, eine Entscheidung in Bezug auf die weitere Behandlung, Schlacht- und Transportfähigkeit oder auch eine Nottötung zu treffen.

Um Schäden durch ein Schwanzbeißgeschehen gering zu halten, ist es notwendig, sowohl Krankenbuchten, als auch ausreichend Separationsmöglichkeiten vorzuhalten:

 

Separation von gebissenen Einzeltieren

Um die Heilung zu fördern und weitere Verletzungen zu verhindern, kommt es darauf an, die richtigen Tiere von der Gruppe zu trennen. Primär sollten die beißenden Tiere selektiert werden. Aber auch geringgradig verletzte Tiere zu separieren reduziert den Stress und die Gefahr weiterer Angriffe. Hierzu können eigene Separationsbuchten vorgehalten werden, die in ihrer Ausstattung einer herkömmlichen Bucht entsprechen. Allerdings ist das Zurückstallen in die Ursprungsbucht oft problematisch und mit neuen Rangkämpfen und Beißereien verbunden. Daher kann es sinnvoller sein, betroffene Tiere innerhalb ihrer Bucht abzutrennen, so dass sie den Kontakt zu ihren Buchtengenossen nicht verlieren und später wieder in die Gruppe integriert werden können. Wichtig ist, dass alle Tiere ausreichend Zugangsmöglichkeiten zu Tränke-, Futter- und Ruheplätzen behalten.

Ausreichend Kranken- oder Genesungsbuchten vorhalten

Stärker verletzte Tiere benötigen einen ruhigen und sicheren Ort, an dem sie sich erholen können und der ihre Genesung fördert. Da ein Zurückstallen von gebissenen Tieren nach deren Genesung oft problematisch ist, ist es wichtig, spezielle Genesungsbuchten in ausreichender Anzahl bereitzustellen oder einen Teil der bestehenden Bucht abzutrennen.

Eine Genesungsbucht muss leicht zugänglich sein und den Tieren einen einfachen Zugang zu Futter und Wasser ermöglichen (z.B. durch bodennahe Fütterung und offene Wasserflächen). Die verletzten Schweine benötigen zudem eine trockene und weiche Einstreu bzw. Unterlage, so dass das Schwein den harten Boden nicht berührt.  Wichtig ist auch, dass die weiche Liegefläche von allen Schweinen in der Genesungsbucht gleichzeitig genutzt werden kann.

Damit kranke und verletzte Schweine unverzüglich separiert werden können, muss zu jeder Zeit eine einsatzfähige Krankenbucht bereitstehen. Empfohlen wird hierzu, Platz für mindestens 2,5 – 3 %* aller gehaltenen Tiere in der Ferkelaufzucht und Mast vorzuhalten. Bei Einstallung unkupierter Schweine werden mindestens 5 %, meist aber auch mehr benötigt.

* Hinweis

Das europäische Referenzzentrum für Tierschutz in der Schweinehaltung empfiehlt für mindestens 2,5% des Bestandes Plätze in Krankenbuchten vorzuhalten. Das DLG Merkblatt Nr. 430 „Umgang mit verletzten Schweinen“ empfiehlt für mindestens 3 % der gesamten Tierplätze Separations- und Krankenbuchten vorzuhalten

Behandlung von gebissenen Tieren in Absprache mit dem Tierarzt

Die Versorgung der Wunden und die Schmerzlinderung sollten stets in Absprache mit einem Tierarzt erfolgen. Der Tierarzt leitet geeignete Behandlungsmaßnahmen ein, um Infektionen zu verhindern und die Heilung zu unterstützen. Es empfiehlt sich das notwendige Vorgehen bereits im Vorfeld ausreichend genau abzusprechen. Bei einer Infektion muss eine antibiotische Behandlung erfolgen, um eine aufsteigende Entzündung zu verhindern oder zu stoppen. Schmerzmittel bzw. Entzündungshemmer müssen bei Entzündungen und schmerzhaften Verletzungen gegeben werden, da der Schweineschwanz bis hin zur Schwanzspitze mit sensiblen Nervenfasern durchsetzt ist. Die Behandlung der Tiere muss dokumentiert werden.

Vergrämung des Blutgeruchs durch Waschen, Puder oder Sprays

Um den Blutgeruch zu neutralisieren und weitere Angriffe zu verhindern, können die betroffenen Tiere gewaschen und mit speziellen Pudern oder Sprays behandelt werden. Es ist wichtig, nur zugelassene Produkte zu verwenden, um die Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten. Nicht alle der in der Praxis verbreiteten Hilfsmittel sind erlaubt.   

Veränderung

  • keine Veränderungen
  • intakter Schwanz

Maßnahmen

  • keine Maßnahmen erforderlich

Veränderung

  • geringgradige Verletzung mit oder ohne Schwellung/ Rötung

Maßnahmen

  • Schwein markieren
  • Vergrämungsmittel (Spray oder Puder) aufbringen
  • Behandlung nach Rücksprache mit dem Tierarzt

Veränderung

  • mittelgradige Bissverletzungen

Maßnahmen

  • Schwein markieren 
  • Vergrämungsmittel (Spray oder Puder) aufbringen
  • ggf. Schwein absondern
  • Behandlung nach Rücksprache mit dem Tierarzt

Veränderung

  • hochgradige Bissverletzung

Maßnahmen

  • Schwein absondern
  • Behandlung nach Rücksprache mit dem Tierarzt

Veränderung

  • hochgradige Verletzung mit Schwellung und/oder Rötung

Maßnahmen

  • Schwein absondern
  • Behandlung nach Rücksprache mit dem Tierarzt

Veränderung

  • Schwanzverletzung
  • Schwanzentzündung
  • Schwanznekrose
  • mit fortschreitender Infektion (lahmende Tiere, Gelenksentzündungen)

Maßnahmen

  • Nottötung, da es sich um ein länger andauerndes Krankheitsgeschehen handelt

Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung zur Schlacht- und Transportfähigkeit kann die Broschüre „SchweineWohl im Fokus – Umgang mit kranken und verletzten Tieren“ (Registrierung erforderlich) geben.

Bei frisch eingestallten Tieren Läsionen erfassen

Frisch eingestallte Tiere sollten bei der Anlieferung immer beurteilt werden, um frühzeitig mögliche Verletzungen zu erkennen, geeignete Maßnahmen einzuleiten und Regressansprüche geltend machen zu können. Dies umfasst eine gründliche Untersuchung und Bewertung der Tiere bei ihrer Ankunft im Stall. Außerdem kann eine Einstallungsbonitur helfen, den Verlauf des Geschehens zu beurteilen.