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Sofortmaßnahme Ablenkung

Nach dem Absondern der beißenden Tiere ist die Gabe von (zusätzlichem) ablenkendem Beschäftigungsmaterial die erste Maßnahme, wenn es darum geht, ein akutes Schwanzbeißgeschehen einzudämmen. Die Maßnahmen schaffen ein Zeitfenster, um Tiere abzusondern, zu behandeln, Ursachen zu finden und abzustellen. Die Befragung von Praktikern hat eine unterschiedliche Eignung der verschiedenen Materialien ergeben:

 

1. Raufutter

  • Grassilage
  • Stroh
  • Maissilage
  • Körnermais
  • Luzerne
  • Luzernepellets

2. Organisches Material

  • Hackschnitzel (trocken)
  • Kauseile aus Hanf oder Baumwolle
  • Jutesäcke
  • frische Äste
  • unbedruckte Papiersäcke

3. Sonstiges Beschäftigungsmaterial

  • Bite-Rite
  • Spiel-Igel
  • Spielkette

Auch die Art der Gabe des Materials spielt eine Rolle: eine bodennahe Gabe und allseitige Zugänglichkeit kommt dem natürlichen Wühlverhalten des Schweins am nächsten und bietet möglichst vielen Tieren gleichzeitig Zugang zu der Ressource. Das Beschäftigungsmaterial sollte in natürlicher Körperhaltung durchwühlt werden können, ohne den Kopf überstrecken zu müssen.

Praxistipp

Besonders geeignet ist die Gabe von Raufutter auf einer Wühlmatte: Dafür wird eine Gummimatte aus der Rinderhaltung mit einer Holzaufkantung eingefasst und in der Buchtenmitte befestigt. So bleibt auch der Eintrag von langfaserigem Material in die Gülle gering.

Einzelne Schweine können aus einem nicht adäquat ausgelebten Aktivitätsverhalten ein Fehlverhalten entwickeln. Daraus lassen sich wichtige Eigenschaften für das angebotene Beschäftigungsmaterial ableiten:

  • Attraktivität und Neuigkeitswert
  • gute Qualität (mykotoxinhaltige Futtermittel können das Geschehen verschärfen!)
  • ausreichende Menge
  • Gabe zu den Hauptaktivitätszeiten (später Vor- und Nachmittag).

Werden verschiedene Materialien (z.B. Wühlerde, zusätzliche Raufuttergaben) gleichzeitig und getrennt voneinander angeboten, kann dies dazu beitragen, den Bedarf und den Mangel einer Komponente als Ursache für das Schwanzbeißgeschehen zu identifizieren. So kann gezielter gegengesteuert werden!

Insbesondere die meistgenutzten Materialien sollten ausreichend lange (ggf. dauerhaft) zur Verfügung stehen, so dass jedes Schwein seinen individuellen Bedarf decken kann.

Zur Arbeitserleichterung können hier z.B. umgebaute Futterautomaten oder Heuraufen mit Auffangschalen eingesetzt werden (siehe Abb. 5).

Das Angebot von Einstreupulvern (z.B. aus Gesteinsmehlen) hilft, den Geruch nach Blut zu reduzieren und somit die Ausweitung des Schwanzbeißens einzudämmen. Außerdem wirken sie auf Oberflächen feuchtigkeitsabsorbierend und keimhemmend, so dass die Infektion von Wunden reduziert werden kann.

Ablenkung bieten auch zusätzliche Abkühlmöglichkeiten (Schweinedusche) oder Ausläufe. Das Umstallen der Schweine einer betroffenen Bucht in eine andere Bucht kann durch neue Gerüche, neue Buchtennachbarn und eine geänderte Umgebung ebenfalls dazu beitragen, die Tiere abzulenken. Das sollte allerdings keinesfalls über Altersgruppen hinweg erfolgen.