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Notfallkoffer

Wenn es zu einem Schwanzbeißgeschehen im Schweinestall kommt, ist es wichtig, vorbereitet zu sein. Insbesondere wer Tiere mit unkupierten Schwänzen hält, sollte einige Dinge vorrätig halten, um im Ernstfall auch an Feiertagen und Wochenenden schnell reagieren zu können. Nur wer früh reagiert, hat die Möglichkeit ein Ausweiten des Schwanzbeißgeschehens zu verhindern.

 

Damit kranke und verletzte Schweine unverzüglich separiert werden können, muss zu jeder Zeit eine einsatzfähige Genesungsbucht bereitstehen. Empfohlen wird hierzu, bei kupierten Tieren in der Ferkelaufzucht und Mast für mindestens 2,5 – 3 %* aller gehaltenen Tiere und in der Sauenhaltung für mindestens 5 % aller in der Gruppe gehaltenen Sauen Genesungsbuchten vorzuhalten. Bei Einstallung unkupierter Schweine werden mindestens 5 %, meist aber auch mehr benötigt.

Weitere Informationen zur Ausstattung einer Genesungsbucht in der Broschüre SchweineWohl im Fokus – Umgang mit kranken und verletzten Tieren.

*s. Rn 10 Ausführungshinweise zur TierSchNutztV

Sinnvoll ist es, hierfür zusätzliche Tröge vorzuhalten. Insbesondere bei Hitzephasen sind Tränken oft belegt oder werden durch ranghöhere Tiere als Abkühlmöglichkeit genutzt und blockiert. Zusätzliche (offene) Tränkmöglichkeiten bieten auch rangniederen Tieren genug Gelegenheit zur Deckung ihres Bedarfs. Auch hier ist wichtig, dass nur hygienisch einwandfreies Wasser angeboten wird.

 

Die Gabe von Raufutter befriedigt den natürlichen Wühltrieb von Schweinen und hat viele positive gesundheitliche Aspekte: Es fördert die Speichelbildung und die Schichtung des Mageninhalts und beugt somit der Entstehung von Magengeschwüren vor. Außerdem führt es zu einem Sättigungsgefühl der Schweine, wodurch sie ruhiger werden. Langfristig fördert die Gabe von Raufutter den Aufbau eines gesunden Mikrobioms im Darm. Dies wiederum kann das Entstehen von Entzündungssymptomen im gesamten Körper des Schweins („SINS“) reduzieren.

Heu und Stroh kann längere Zeit trocken auf Vorrat gut gelagert werden. Gras- oder Maissilage hat sich bei vielen schweinehaltenden Betrieben als Notfallgabe bewährt und kann z.B. von Milchviehhaltern aus der Nachbarschaft kurzfristig bezogen werden. Wichtig ist, dass nur Raufutter von guter Qualität angeboten wird.

Mikrobiom

Zusammenspiel von Mikroorganismen, die den Darm besiedeln (Bakterien und Pilze), gemeinsam mit deren Lebensraum (Darmschleimhaut)

Organische Beschäftigungsmaterialien eignen sich besser, um den Bedürfnissen von Schweinen gerecht zu werden als technische Beschäftigungsgeräte. Strohhäcksel, Holzspäne oder Luzernepellets lassen sich sehr gut auf Vorrat halten und befriedigen den natürlichen Wühltrieb der Tiere. Schweinespielzeuge wie Holzstücke, Beißringe oder Bälle sind zwar bewegbar, hebelbar und teilweise auch verformbar, sind aber nur bedingt kaubar und nicht durchwühlbar. Als gut geeignetes Notfallmaterial haben sich in der Praxis Baumwollstricke erwiesen. Der regelmäßige Wechsel des Beschäftigungsmaterials erhöht die Attraktivität.

Manchmal sind es sehr spezifische Futterinhaltsstoffe, die den Schweinen fehlen. Hier die richtigen herauszufinden, ist nicht ganz einfach. Um keine Zeit zu verlieren, sollte daher nicht an Einzelkomponenten gespart werden und die Ergänzer parallel gegeben werden. Wechselwirkungen sind aber auszuschließen. Zu hohe Gaben an Kalzium können z.B. die Magensiumaufnahme negativ beeinflussen.

Toxinbinder

Bestimmte Gesteinsmehle (Tonmineralien) können die Aufnahme von Futtertoxinen reduzieren.

Aber Achtung:  Nicht alle am Markt angebotenen Produkte zeigen eine Wirkung. Das Fusarientoxin DON sollte bereits auf dem Feld bekämpft werden und möglicherweise belastetes Futter nicht an Sauen oder in der Ferkelaufzucht eingesetzt werden. Zulassungsrechtliche Vorgaben zum Einsatz von Toxinbindern sind zu berücksichtigen.

Eiweißkomponenten

Das Protein in Futtermitteln tierischen Ursprungs (Milchpulver, Fischmehl oder Verarbeitetes tierisches Protein VTP) hat meist eine hohe biologische Wertigkeit. Um die für schnell wachsende Schweine erforderlichen erstlimitierenden Aminosäuren (Lysin, Methionin, Threonin und Tryptophan) bereitzustellen, reicht eine vergleichsweise geringe Einsatzmenge, die den Stoffwechsel entlasten kann. Dazu kommen Inhaltsstoffe (z.B. Carnitin), die in pflanzlichen Proteinträgern nicht enthalten sind. Zusätzlich ist insbesondere Fischmehl reich an Vitamin B12, das vom Schwein nicht selbst synthetisiert werden kann. Seit einiger Zeit kommen auch lebende Insektenlarven zum Einsatz. Allerdings müssen hier größere Mengen verfüttert werden, da diese auch viel Wasser und Fett enthalten.

Als Proteinergänzer pflanzlicher Herkunft eignet sich Bierhefe in getrockneter Form. Bierhefe in flüssiger Form ist weniger lagerfähig und muss vor der Verfütterung inaktiviert werden.

 Salze

Die Gabe von Viehsalz (Natriumchlorid) unterstützt das Wohlbefinden der Schweine und fördert die Wasseraufnahme. Dadurch können Giftstoffe leichter über die Niere ausgeschieden werden. Doch Vorsicht: Jedes Schwein muss zu jeder Zeit ausreichend Wasser aufnehmen können, sonst kann Viehsalz zu schweren Vergiftungen führen!

Natriumbicarbonat (auch: Natriumhydrogencarbonat, Natron, Speisesoda oder Backpulver) wirkt puffernd auf eine Magenübersäuerung. Schweine mit einer Magenschleimhautreizung oder einem Magengeschwür nehmen Natriumbicarbonat gerne auf. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, da die Abpufferung der Magensäure auch negative gesundheitliche Folgen wie Durchfall haben kann.

Magnesiumverbindungen

Auch Magnesiumoxid kann bei subklinischen Magengeschwüren als Magensäurepuffer eingesetzt werden. Dosierungen von 2-5 kg pro Tonne Fertigfutter (88 % TS) werden empfohlen. Allerdings ist auch hier die Verfügbarkeit in der Gesamtration zu beachten. Eine Überversorgung kann abführend wirken.

Huminstoffe

Huminstoffe als Futterzusatzstoff fördern die Darmgesundheit durch eine Verbesserung des Mikrobioms. Sie können in Form von Torf auch als Beschäftigungsmaterial gegeben werden.   

Waschen, Einnebeln, Einpudern oder Benetzen können kurzfristig helfen, bei blutigen Verletzungen den Blutgeruch zu reduzieren. Einige auf dem Markt erhältliche Substanzen haben einen für Schweine unattraktiven Geschmack. Wichtig ist, darauf zu achten, dass diese Mittel für den Einsatz am Schwein zugelassen sind.

Das Verteilen von Hygienepulver bindet Feuchtigkeit und reduziert somit den Keimdruck. Zusätzlich wird der Blutgeruch vermindert. Außerdem bindet es Ammoniak aus der Luft und verbessert somit die Luftqualität.