Ursachenerkennung
Schwanzbeißen ist ein multifaktorielles Geschehen und die Ursachen sind je nach Betrieb sehr vielfältig. In der Regel handelt es sich um eine Überforderungsreaktion der Tiere.
Entscheidend für die Effektivität der zu treffenden Maßnahmen ist und bleibt eine sorgfältige Tierbeobachtung.
Die folgenden Risikobereiche spielen eine übergeordnete Rolle für die Entstehung von Schwanzbeißausbrüchen:
- Beschäftigung
- Stallklima
- Gesundheit und Fitness
- Wettbewerb um Ressourcen
- Fütterung
- Struktur und Sauberkeit der Bucht
Ursachenkomplex: Fütterung
Werden Schweine nicht bedarfs- und bedürfnisgerecht mit Futter und Wasser versorgt, kann dies ein Schwanzbeißgeschehen auslösen. Neben dem physiologischen Nährstoffbedarf müssen auch weitere Bedürfnisse wie Sättigung, Kauen und Magen-Darmgesundheit berücksichtigt werden.
- Mangel an Faserstoffen oder Raufutter: Er kann zu Magengeschwüren, Störungen des Mikrobioms und einer verstärkten Durchlässigkeit des Darms führen. Letzteres bedeutet, dass Giftstoffe, aber auch Viren und Bakterien, sowie deren Stoffwechselprodukte wie Endotoxine in den Blutkreislauf des Schweins gelangen. Außerdem wird der Futtersuch- und Wühltrieb nicht ausreichend befriedigt. Für Aufzuchtferkel sollte ein Rohfasergehalt von mindestens 4 %, für Mastschweine von über 5 % eingehalten werden. Bei Einsatz von geeignetem Beschäftigungsfutter kann der Fasergehalt der Hauptration auch etwas geringer sein. Zudem sollten Faserstoffe mit unterschiedlicher Lösbarkeit/Fermentierbarkeit kombiniert werden. Quellende Faserstoffe wie Lignocellulose tragen zur Sättigung der Tiere bei, während gut fermentierbare Faserstoffe wie Rübenschnitzel für die Energieversorgung, die Darmgesundheit und die Immunabwehr wichtig sind.
- Vermahlungsgrad des Futters: Zu fein vermahlenes Futter kann insbesondere bei Fütterung in Form von Mehl oder Pellets zu Magenschleimhautreizungen oder sogar -geschwüren führen. Ein „Schütteltest“ kann Aufschluss über die Vermahlung des Futters geben.
- Mangel an essentiellen Aminosäuren (z.B. Lysin, Methionin): Insbesondere bei einer sehr stark N-/P-reduzierten Fütterung kann es zu einer Unterversorgung kommen, wenn nicht ausreichend mit freien Aminosäuren ausgeglichen wird.
- Mangel an Mineralstoffen und Spurenelementen: Eine Futteranalyse kann Aufschluss geben über grenzwertige oder mangelhafte Ausstattung der Futterration.
- Futterhygiene: Eine mangelhafte Beschaffenheit der Ausgangskomponenten kann ebenso schwere Folgen nach sich ziehen, wie hygienische Mängel in der Bereitstellung der Ration. Neben Anmischbehältern müssen auch die Futter- und Wasserleitungen in einem guten hygienischen Zustand sein und regelmäßig von Rückständen befreit werden. Tägliche Checks der Futter- und Wasseraufnahme der Schweine können schnell Hinweise liefern, wenn etwas von der Norm abweicht.
- Futterzusammensetzung: Fehlerhaft erstellte Rationen, Probleme bei der Fütterungs- und Tränketechnik wie z.B. Entmischungen, aber auch abrupte Wechsel einzelner Futterkomponenten können Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere haben. Ein Schwanzbeißgeschehen kann die Folge sein.
- Futteraufnahme: Eine plötzliche Umstellung in der Zusammensetzung (z. B. beim Wechsel von der Ferkelaufzucht in die Mast) oder der Darreichungsform (z.B. Umstellung von Flüssig- auf Trockenfütterung) kann für einzelne Schweine eine Stresssituation bedeuten.
Erste Anzeichen
- Die Schweine sind unruhig oder aggressiv
- Abweichungen der Futter- und/oder Wasseraufnahme
- Eingefallene Flanken, kein voller Bauch (vor allem Einzeltiere relevant)
Ursachenkomplex: Gesundheit & Fitness
Klinische und subklinische Erkrankungen z.B. Durchfall- und Atemwegsinfektionen können ein Schwanzbeißgeschehen zur Folge haben.
Erste Anzeichen
Sehr vielfältig, z.B. Schniefen, gerötete Bindehäute, Tränenfluss, vermehrtes Ruhen und Liegen, Fieber, aber auch Veränderung (z.B. Farbumschlag) des Kotes, struppiges Haarkleid, Auseinanderwachsen einer Altersgruppe etc.
Ein Gesundheitskonzept sollte immer zusammen mit dem betreuenden Tierarzt entwickelt werden. Es beinhaltet Hygienemaßnahmen, Gesundheitsvorsorge (z.B. Impfprogramm), aber auch die Optimierung von Management und Haltung etc. Deswegen ist es sinnvoll, weitere Berater (Fütterung, Stallklima etc.) miteinzubeziehen.
Tipp: Fieberthermometer oder Wärmebildkamera immer zum Stalldurchgang mitnehmen!
