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Rind im Fressgitter und Hand mit Smartphone, Display zeigt Dashboard eines Herdenmanagementsystems

Digitalisierung in der Rinderhaltung

Exkurs: EU-Data Act

Förderprojekte: DigiTier

Digital im Stall und auf der Weide: Wie neue Technologien die Nutztierhaltung voranbringen

Ob im Stall oder auf der Weide – digitale Technologien eröffnen neue Möglichkeiten für eine effizientere und tierwohlorientierte Nutztierhaltung. Die Ergebnisse aus 13 durch das BMLEH geförderten Forschungsprojekten zeigen, wie Sensorik, KI und Datenplattformen bereits heute die Praxis unterstützen – wissenschaftlich begleitet und vernetzt durch die Vernetzungs- und Transfermaßnahme „DigiTier“. Gleichzeitig wird deutlich: Entscheidend ist das Zusammenspiel der Systeme, um das volle Potenzial der Digitalisierung auszuschöpfen.

Im Rahmen von 13 durch das BMLEH geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojekten zur Digitalisierung in der Nutztierhaltung wurden in den vergangenen fünf Jahren zahlreiche innovative Lösungen entwickelt und unter Praxisbedingungen erprobt. Die Projekte und ihre Ergebnisse wurden dabei durch die Vernetzungs- und Transfermaßnahme DigiTier wissenschaftlich begleitet, untereinander vernetzt, öffentlichkeitswirksam aufbereitet und abschließend systematisch evaluiert.

Die Ergebnisse zeigen: Digitale Technologien bieten bereits heute konkrete Mehrwerte für landwirtschaftliche Betriebe, insbesondere in den Bereichen Tiergesundheit, Managementunterstützung, Arbeitsentlastung und Rückverfolgbarkeit.

Ein zentraler Fortschritt liegt in der intelligenten Verknüpfung und Auswertung tierindividueller Daten. Sensor-, Kamera- und KI-gestützte Systeme, wie sie beispielsweise in den Projekten DigiStable oder CHN entwickelt wurden. Sie ermöglichen eine kontinuierliche Überwachung von Verhalten, Gesundheitszustand und Umweltbedingungen in der Milchvieh- und Schweinehaltung. Die gewonnenen Daten werden in übersichtlichen Plattformen gebündelt und unterstützen Landwirtinnen und Landwirte bei fundierten betriebsindividuellen Entscheidungen.

Besonders deutlich wird der Nutzen digitaler Anwendungen im Bereich der Tiergesundheit: Projekte wie MuKoLa oder DigiMuh zeigen, wie Krankheiten (z.B. Lahmheit) und Stress frühzeitig erkannt werden können und das häufig noch bevor sichtbare Symptome auftreten. Dadurch lassen sich gezielte Maßnahmen schneller einleiten, das Tierwohl verbessern und langfristig auch der Medikamenteneinsatz reduzieren.

Ein weiterer wichtiger Entwicklungsbereich betrifft digitale Lösungen für die Weidehaltung. Projekte wie IoL, WeideInsight und SmartSheepNet zeigen, wie Ortungstechnologien und Sensorsysteme genutzt werden können, um Tiere auch auf weitläufigen Flächen kontinuierlich zu überwachen. Bewegungsprofile, Aufenthaltsorte und Aktivitätsmuster liefern wertvolle Hinweise auf Tiergesundheit sowie Verhalten und ermöglichen ein gezielteres Herdenmanagement. Gleichzeitig eröffnen Anwendungen wie SmartFence zur automatisierten Wartung von Weidezäunen neue Möglichkeiten, arbeitsintensive Kontrollgänge zu reduzieren und die Tierhaltung unter extensiven Bedingungen effizienter und sicherer zu gestalten. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels gewinnen solche Systeme zunehmend an Bedeutung.

Darüber hinaus leisten digitale Anwendungen einen wichtigen Beitrag zur Transparenz und Rückverfolgbarkeit in der Nutztierhaltung. Durch die kontinuierliche Erfassung und Dokumentation von Tierwohl-, Gesundheits- und Produktionsdaten können Prozesse nachvollziehbarer dargestellt werden, sowohl innerhalb des Betriebs als auch entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dies stärkt nicht nur die betriebliche Kontrolle, sondern auch das Vertrauen von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie Marktpartnern.

Viele Anwendungen entwickeln sich weiter in Richtung konkreter Entscheidungsunterstützung. So liefert das im Vorhaben IQexpert entwickelte und bereits beim LKV Bayern (Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung) etablierte Expertensystem datenbasierte Empfehlungen für das Eutergesundheitsmanagement in der Milchviehhaltung und trägt dazu bei, betriebliche Abläufe gezielt zu optimieren.

Gleichzeitig zeigt die Evaluation der Projekte, dass weiterhin Entwicklungsbedarf besteht. Insbesondere die bessere Vernetzung und Interoperabilität verschiedener Systeme, Fragen der Datensicherheit und Datenhoheit sowie die Wirtschaftlichkeit und Robustheit einzelner Technologien bleiben wichtige Zukunftsthemen.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass viele der entwickelten Technologien bereits eine hohe technologische Reife und Praxisrelevanz erreicht haben. Gleichzeitig wird deutlich, dass Digitalisierung in der Nutztierhaltung nicht als Einzelinnovation zu verstehen ist, sondern als integrierte Systemlösung, die erst durch das Zusammenspiel von Technik, Dateninfrastruktur und betrieblicher Anwendung ihr volles Potenzial entfaltet.

Kontakt:

Dr. Sabine Goetz, [email protected]