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Digitalisierung in der Rinderhaltung

Stand: März 2026

  • Prof. Dr. Wolfgang Büscher, Universität Bonn
  • Dr. Katharina Dahlhoff, Versuchs- und Bildungszentrum Haus Düsse
  • Dr. Adriana Förschner, Landwirtschaftliches Zentrum Baden-Württemberg
  • Dr. Jernej Poteko, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
  • Prof. Dr. Ralf Waßmuth, Hochschule Osnabrück

  • Dr. Rebecca Simon, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen
  • Saskia Markmann, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen
  • Leonie Schnecker, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

  • Dr. Paul Vogel, Noerr Partnerschaftsgesellschaft mbB

Die landwirtschaftliche Tierhaltung steht vor großen Herausforderungen. Die Digitalisierung bietet das Potential Landwirtinnen und Landwirte bei der Umsetzung einer tiergerechten, arbeitseffizienten und ressourcenschonenden Landwirtschaft zu unterstützen und zu entlasten. Dabei soll und kann die digitale Technik den Menschen keinesfalls ersetzen, sondern ihm als Entscheidungs- und Ausführungshilfe dienen sowie eine Arbeitserleichterung bieten.

Exkurs: Was sagen die Impulsbetriebe Rind im Netzwerk Fokus Tierwohl zum Einsatz digitaler Technik auf ihren Betrieben?

Ein Blitzlicht vom Netzwerktreffen der Impulsbetriebe Rind im Sommer 2025

  • „Egal welches System, man muss erstmal lernen mit den Daten umzugehen. Zu wissen wann es brennt und wann ist es ein falscher Alarm.“

    Sabrina Lilienthal, Bernd und Johann-Hinrich Lilienthal GbR
  • „Egal welches System, man muss es so einstellen, dass es einem hilft und es nicht stört oder ablenkt, sodass man in der Folge abstumpft. Wichtig ist, wenn eine Meldung kommt, muss man in den Stall gehen und schauen was los ist.“

    Beni Renz, Renz GbR
  • „Digitaler Hirte kann Entscheidungen emotional unabhängig treffen, das wiederum gibt dem Betriebsleiter Zeit emotional für seine Tiere da zu sein.“

    Jasper Metzger-Petersen, Hof Backensholz
  • „Entscheidungen trifft man leichter mit Technik.“

    Alois Grubmüller, Grubmüller GbR
  • „Technik hat mich persönlich sogar viel feinfühliger/sensibler für meine Tiere gemacht.“

    Anna Sutter, Sutterhof
  • „Ich bin etwas skeptisch bei so viel Technik. Vielleicht wird dann die visuelle Beobachtung der Tiere vernachlässigt oder gar nicht mehr gelernt.“

    Manfred Gabler, Biohof Gabler/Schmid
  • „Größere Betriebe mit sehr unterschiedlichem Personal wie Sprache, Bildungsstand etc. unterstützt der digitale Hirte ein einheitliches Vorgehen zu etablieren.“

    Jasper Metzger-Petersen, Hof Backensholz

Fazit

Die Entscheidung, ob und wie digitale Systeme auf dem eigenen Betrieb eingesetzt werden, muss jede/r Betriebsleiter/in für sich selber treffen. Wichtig ist, sich mit der Technik auseinander setzen zu wollen und dies auch umzusetzen sowie betriebsindividuelle Anpassungen vorzunehmen. Das neue System muss sich, vergleichbar mit einem neuen menschlichen Mitarbeiter, erst einspielen. Dann kann die digitale Technik eine sehr gute Unterstützung sein, soll und kann aber niemals den Menschen und seine Pflichten ersetzen. 

Status quo der Digitalisierung in der Rinderhaltung (Deutschland)

Einhergehend mit dem Strukturwandel in der Agrarbranche (Tabelle 1) im vergangenen Jahrhundert hat auch eine Weiterentwicklung von Technologien stattgefunden. Als Teil davon hat die Digitalisierung in der Landwirtschaft im Allgemeinen und der Rinderhaltung im Speziellen in den vergangenen Jahren an Fahrt aufgenommen. Ein bedeutender Schritt war hier die Einführung Automatischer Melksysteme (AMS), 1989 erstmals vorgestellt und 1992 erstmals in einen Milchviehstall eingebaut. 

 Um den Beginn des 20. JahrhundertsUm den Beginn des 21. Jahrhunderts
Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland5,6 Mio.ca. 458.400 (Tendenz↓)
Rinderbestände (Stück)18,9 Mio.14,5 Mio. (Tendenz ↓)
durchschnittliche Anzahl Rinder je Betrieb465 (Tendenz ↑)
durchschnittliche Flächenausstattung je Betrieb (Hektar)ca. 4,6 ha / Betriebca. 62 ha / Betrieb (Tendenz ↑)
Erwerbstätigenanteil in der Land- und Forstwirtschaft in Deutschland38 %1,4 % (Tendenz ↓)
Anzahl versorgter Menschen je Landwirtca. 4ca. 127 (Tendenz ↑)

Tabelle 1: Landwirtschaft im Wandel – Landwirtschaftliche Betriebe sind deutlich größer geworden und versorgen deutlich mehr Menschen, durch die höhere Effektivität der Verfahren und den steigenden Anteil an Automatisierung sind hierzu jedoch weniger Arbeitskräfte erforderlich. (DBV 2025; BZL 2024; BMEL 2022, Deter 2016).

Seitdem wird auch von einer Revolution der Landwirtschaft durch die Digitalisierung gesprochen.

Landwirtschaft 4.0 (Digitalisierung landwirtschaftlicher Produktionsprozesse) ist gekennzeichnet durch den Einsatz fortschrittlicher Technologien wie beispielsweise künstliche Intelligenz (KI), Cloud Computing oder auch Robotik verbunden mit dem Potenzial die Branche zur digitalen Landwirtschaft (Smart Farming) zu transformieren (Schukat et al. 2019). Die Erwartungen an die digitale Technik sind dabei vielfältig (Abb. 1).

Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2024 nutzten bereits 90 % der landwirtschaftlichen Betriebe digitale Technologien – je größer der Betrieb, desto häufiger wurde sie eingesetzt. Der Einsatz KI-basierter Systeme fand schon auf knapp jedem 10. Betrieb (9 %) statt, für circa 40 % der Betriebe kommt der Einsatz in der Zukunft in Frage (Bitkom 2024). 

Auch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat 2025 die Ergebnisse einer großangelegten Befragung zur Digitalisierung auf landwirtschaftlichen Betrieben veröffentlicht. Neben der Einsatzhäufigkeit wurden auch die Aspekte Vorteile und Hemmnisse der Digitalisierung sowie genutzte Informationswege abgefragt.

Eine bundesweite Erfassung zum Einsatz digitaler Technik in rinderhaltenden Betrieben gibt es aktuell nicht. Es ist davon auszugehen, dass deutliche Unterschiede je nach Betriebszweig innerhalb der Rinderhaltung bestehen.  

Eine solche Erhebung gibt es beispielhaft für das Bundesland Bayern.

Mittlerweile ist eine Vielzahl digitaler Anwendungen unterschiedlicher Hersteller am Markt verfügbar (Abb. 2). Je nach betrieblichen Voraussetzungen, Betriebsgröße und Erwartungen an die Systeme muss eine Auswahl betriebsindividuell erfolgen. Digitale Technologien erfassen eine Vielzahl an Daten (Big Data), die sicher gespeichert, richtig ausgewertet und sinnvoll eingesetzt eine wertvolle Unterstützung des Betriebsmanagements, beispielsweise der täglichen Tierkontrolle, bieten. Andere Systeme übernehmen alltägliche, sich wiederholende Aufgaben und ermöglichen den Mitarbeiter:innen, die frei gewordene Zeit in andere Aufgaben zu investieren, z.B. in eine intensivierte Tierbeobachtung.

Hindernisse in der Umsetzung ergeben sich in verschiedenen Bereichen. Zum einen sind mit der Digitalisierung eines Betriebes zunächst hohe Anschaffungskosten verbunden, auch wenn sie langfristig dazu beitragen kann, Kosten zu senken. Zum anderen muss die öffentliche digitale Infrastruktur weiter ausgebaut werden, vor allem im ländlichen Raum. Dazu zählt beispielsweise die Netzabdeckung, um eine einwandfreie Funktionsweise von Systemen im Außenbereich (z.B. auf der Weide), die auf der Nutzung mobiler Daten beruhen, zu gewährleisten – diese soll bis 2030 flächendeckend in Deutschland verfügbar sein. 

Als weiterer kritischer Punkt ist die aktuell noch unzureichende Vernetzung von Systemen (Machine-to-Machine-Kommunikation, M2M = automatischer Informationsaustausch zwischen Endgeräten in Echtzeit), insbesondere verschiedener Hersteller (Interoperabilität), zu nennen. Auch der Faktor Mensch ist nicht zu vernachlässigen. Wie bei anderen Neuerungen auch sind zunächst Unsicherheiten und ein geringer eigener oder branchenbezogener Erfahrungsschatz vorhanden, was die flächendeckende Umsetzung in den landwirtschaftlichen Betrieben hemmt.   

Schlussendlich kann festgehalten werden, dass sich durch die Einführung und das Fortschreiten der Digitalisierung viele Veränderungen ergeben – angefangen vom Berufsbild und den Anforderungen an Mitarbeiter:innen, über die Arbeitsabläufe und schlussendlich auch in der Aus- und Weiterbildung.

Chancen und Risiken

Die Digitalisierung bietet in verschiedenen Bereichen, beispielsweise Effizienzsteigerung, Ressourcenschonung und Tiergesundheit, Potenziale zur Optimierung der Rinderhaltung (Tabelle 2). Gleichzeitig ergeben sich jedoch auch Risiken z. B. im Hinblick auf Kosten, Datenschutz und Nutzungssicherheit, die es zu minimieren gilt (Tabelle 2). Eine überwiegende Mehrheit der Betriebe (79 %) bewertet die Chancen der Digitalisierung größer als die Risiken (Bitkom Research 2024).

ChancenRisiken

Automatisierung von Prozessen

(Futtervorlage, Melken, Kontrolle von Umweltdaten...)

Zusatzkosten für die Technologie und qualifizierte Arbeitskräfte

Früherkennung von Gesundheitsstörungen

(konstante Erfassung von Vitaldaten)

Auftreten technischer Probleme

 

Umfassende Datenerfassung und -analyseAbhängigkeit von externen Anbietern
Schnittstellen für MeldepflichtenDatensicherheit
Flexibilität (z.B. Arbeitszeiten)Anwendbarkeit (Faktor Mensch und Faktor digitale Infrastruktur)
Monitoring verschiedener Parameter, bspw. der Fütterung und des Stoffwechselsfehlende Kompatibilität verschiedener Systeme
Herden- und Fruchtbarkeitsmanagement 
Unterstützung der Tierbeobachtung und -kontrolle sowie der betrieblichen Eigenkontrolle 
Attraktivität des Arbeitsplatzes und des gesamten Berufsfeldes (Entlastung körperlicher Arbeit) 
Einsparung von Ressourcen  

Tabelle 2: Chancen und Risiken der Anwendung digitaler Technologien und Verfahren in tierhaltenden Betrieben. 

Überblick der Systeme

Am Markt erhältliche Systeme (Tabelle 3) ermöglichen eine digitale Begleitung der Rinder per Datenerfassung über ihren gesamten Lebensweg hinweg. 

AnwendungsbereicheAusgewählte Beispiele
‍digitales BüroDigitale Buchführung
Digitale Zeiterfassung
Digitale Tools zur Klimabilanzierung
‍Ortung (im Stall oder auf der Weide)GPS-gestützte Systeme im Außenbereich
Drohnen
LaufflächenreinigungAbschieberoboter
Sammelroboter
Einstreusystememobil oder stationär
MelksystemeAutomatische Melksysteme (AMS)
ZaunsystemeVirtuelle Zäune
‍Fütterungsautomaten / intelligente FütterungssystemeAbruf-Fütterung
Tränkeautomaten
Rationsplanung
Futtermischwagen
Automatische Fütterungssysteme, z.B. schienenlose Fütterungsroboter
StallklimaVentilatoren
Curtains und Schlauchlüftung
Stallkühlungs-, Lüftungs- und Verneblungsanlagen 
‍einzeltierbezogene SensortechnikBeschleunigungssensor
Pansenbolus
Pedometer
Geburtsüberwachung
Farmmanagementsystem Integrierte Prozesssteuerung zur Vernetzung verschiedener Systeme
HerdenmanagementsystemeKuhplaner
EnergiemanagementsystemePV-Anlagen
WirtschaftsdüngermanagementAckerschlagkartei
Düngeportal

Tabelle 3: Auswahl digitaler Technologien und Verfahren in rinderhaltenden Betrieben. Hinweis: Nicht alle aufgezeigten Systeme sind bereits für den Praxiseinsatz verfügbar.

Weitere Informationen:

DLG-Merkblatt 466:  Digitale Anwendungen für das Herdenmanagement in der Milchviehhaltung

DLG-Merkblatt 398: Automatische Fütterungssysteme für Rinder

Auch im nachgelagerten Bereich spielt die Digitalisierung eine große Rolle. Unter anderem die digitale Erfassung und Auswertung von Produktqualitäten. Diese Daten können über die Rückkopplung in die Praxis genutzt werden. Für den Milchsektor hat der Verband der Deutschen Milchwirtschaft e. V. eine digitale Landkarte entworfen, um die bestehenden digitalen Beziehungen und Potenziale darzustellen.

zum 10 Punkte-Plan zur digitalen Zukunft der deutschen Milchwirtschaft - Positionierung der Initiativverbände der Strategie 2030 - MIV Milchindustrie-Verband e.V.

Rechtliche Übersicht

Im Zuge der Verwendung digitaler Technik werden unzählige Daten erfasst, gespeichert und weiterverarbeitet. Eine in diesem Zusammenhang immer wieder auftretende Frage ist die des Rechtes an den eigenen bzw. auf dem eigenen Betrieb erfassten Daten.

Bislang galt, dass kein umfassendes Recht an den Daten besteht, da diese keine körperlichen Gegenstände darstellen, die durch das Eigentumsrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geschützt sind. Dies hat sich mit der Einführung des EU-Data Act geändert. Nutzer:innen haben seit Inkrafttreten Anspruch auf Zugang zu Daten an deren Generierung sie beteiligt waren. Nach aktiver Anmeldung des Anspruches durch Nutzer:innen müssen die Daten in maschinenlesbarer Form herausgegeben werden. Die Herausgabepflicht bezieht sich jedoch nur auf Daten in ihrer Rohform, nicht auf veredelte Daten oder Algorithmen.

Exkurs: EU-Data Act unter der Lupe

Exkurs: EU-Data Act

Verkehrssicherheit und Zugangsschutz beim Robotereinsatz auf dem landwirtschaftlichen Betriebsgelände

Landwirtschaftliche Roboter bewegen sich häufig autonom in bestimmten Bereichen des Betriebs, etwa auf Hofflächen, Wegen zwischen Stall und Futterlager oder in Stallgebäuden selbst. Um Unfälle mit unbeteiligten Dritten – insbesondere Kindern oder betriebsfremden Personen – zu vermeiden, ist der Landwirt verpflichtet, diese Einsatzbereiche gegen unbefugten Zutritt zu sichern.

Ein typisches Beispiel ist ein Fütterungsroboter, der mehrmals täglich automatisch über den Futtertisch fährt. Auch wenn die Roboter mit einem Abschaltsensor bei Unterschreitung eines Mindestabstands ausgerüstet ist, sollte sichergestellt sein, dass sich während des Fahrbetriebs möglichst keine unbefugten Personen im Fahrbereich aufhalten. Besonders Kinder, Besucher:innen oder externe Dienstleister müssen durch geeignete Maßnahmen geschützt werden.

Dies kann durch Absperrungen, Zutrittsbeschränkungen, Warnschilder oder automatische Zugangskontrollen erfolgen. In Bereichen mit Publikumsverkehr oder in der Nähe von Wohngebäuden ist besondere Vorsicht geboten.

Ein fehlender oder unzureichender Schutz vor unbefugtem Zutritt kann nicht nur zu Unfällen führen, sondern auch haftungs- und versicherungsrechtliche Konsequenzen haben. Es wird daher empfohlen, den Einsatzbereich des Roboters klar zu definieren, potenzielle Gefahrenzonen zu kennzeichnen und organisatorische wie bauliche Maßnahmen zum Schutz Dritter umzusetzen.

Auch gegenüber eigenen Beschäftigten ist sicherzustellen, dass diese hinreichend über die von den Robotern ausgehenden Gefahren unterwiesen sind. 

Aus- und Weiterbildung

Automatisierung und Digitalisierung haben nicht nur die Produktionsprozesse in der Milchviehhaltung verändert, sondern auch die vielfältigen Anforderungen an die beteiligten Fachkräfte, die heute und zukünftig mit digitaler Assistenz arbeiten. Bei allen Vorteilen, die die Digitalisierung im Betriebsalltag mit sich bringen kann, stellt sich in der täglichen Anwendung schnell heraus, dass die Arbeit mit solchen Systemen hochkomplex ist und von den Anwendern umfangreiches Wissen und häufig auch eine Umstellung der eigenen Routinen erfordert. Das digitale Knowhow und eine hohe Digital- und Datenkompetenz sind deswegen die notwendigen Schlüsselkompetenzen, die vor allem angehende Landwirte und Landwirtinnen von morgen benötigen. Um den richtigen Umgang mit den vielfältigen Technologien von der Pike auf zu erlernen, sollte dem Thema Digitalisierung bereits in der Ausbildung und auch später im Rahmen der beruflichen Weiterbildung ein hoher Stellenwert zukommen. 

Die Aus- und Weiterbildung von landwirtschaftlichen Fachkräften erfordert daher neue Ansätze, um Schlüsselkompetenzen wie digitale und datenbasierte Handlungskompetenzen zu fördern. Neben systemspezifischen Anwenderschulungen spielen auch übergeordnete und herstellerunabhängige Formate, z.B. bei den Landwirtschaftskammern und -ämtern, eine wichtige Rolle. Hierbei sollten verschiedene Themenbereiche vom Funktionsumfang der Systeme über die notwendigen Installationsvoraussetzungen bis hin zur ökonomischen Bewertung (Investitionswürdigkeit) berücksichtigt werden.

CattleHub - Leitfaden für Assistenzsysteme

Bei der Methodik der Wissensvermittlung soll vor allem auf intuitive Methoden zurückgegriffen werden, die hohe Praxis- und Lernerfahrungen versprechen. Eine vielversprechende Methode, die heute immer weiteren Eingang findet, ist das immersive Lernen, das neue digitale Technologien wie Virtual Reality (VR = computergeneriertes, oft dreidimensionales Abbild der Wirklichkeit), Augmented Reality (AR = computergestützte Darstellung der Wirklichkeit mit Ergänzung virtueller Aspekte) und simulationsgestützte Systeme (z.B. an veterinärmedizinischen Modellen) didaktisch nutzbar macht. Vor allem bei tierschutzsensiblen Maßnahmen können durch den Einsatz von sensorgestützten Demonstratoren Routinen und Fertigkeiten tierschonend und praxisnah erlernt werden. Für die überbetriebliche Ausbildung von Landwirt:innen wurde im landwirtschaftlichen Versuchs- und Bildungszentrum Haus Düsse eine immersive Lerneinheit zum Thema „Enthornen von Kälbern“ entwickelt, die seit 2023 eingesetzt wird (Abbildung 4). 

Ausblick

Um die Potenziale der Digitalisierung vollständig und effektiv nutzen zu können, wird es noch einiger Entwicklungen bedürfen. Eine Vernetzung der einzelnen im Stall genutzten Geräte (Interoperabilität) und dynamische Anpassungen an aktuelle, sich ändernde Bedingungen sind Beispiele hierfür (Machine-to-Machine-Kommunikation, DigiMilch – Vernetzte Stalltechnik, DigiMilch – Vernetzte, tierindividuelle Sensorsysteme).

Wünschenswert ist ferner auch die Nutzung der erfassten Daten beispielsweise durch Berater:innen oder Veterinäre, um die Bestandsbetreuung und Anamnese zu unterstützen bzw. zu komplettieren.

Der Einsatz und die erfolgreiche Nutzung der verfügbaren digitalen Technik bedarf jedoch auch einer konsequenten Aus- und Weiterbildung der Nutzer:innen. Das Angebot sollte dahingehend weiter ausgebaut und stetig an Weiterentwicklungen angepasst werden.

Wer haftet für Fehler von KI?

Die Frage, wer für Fehler einer KI, beispielsweise der Fehlentscheidung zur Verkehrsfähigkeit von Milch, haftet ist noch nicht in letzter Instanz geklärt. Zwei Möglichkeiten sind gegeben: Es haftet derjenige, der die KI entwickelt hat oder derjenige, der die KI einsetzt. Die Herausforderung liegt in der Beweispflicht – In Haftungsfragen liegt die Beweispflicht beim Einfordernden. In wie weit die Möglichkeit besteht nachzuweisen, dass eine KI mit fehlerhaften Daten trainiert wurde, ist fraglich. Beim Einsatz von KI sollte stets beachtet werden, dass der Mensch die Verantwortung der Anwendung behält und letztendlich die Entscheidung trifft. Die KI ist als Unterstützer, nicht als Ersatz des Menschen zu bewerten.

Sammlung interessanter Projekte im Themenumfeld

  • Eine ausführliche Zusammenstellung der Projekte zur Förderung von Innovationen zur Digitalisierung in der Nutztierhaltung, die über das Programm zur Innovationsförderung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMELH) gefördert werden finden Sie auf der Plattform www.digi-tier.de.

  • Das Innovationsnetzwerk ZukunftTier vernetzt Akteure aus Wirtschaft und Forschung, um innovative Technologien für die Nutztierhaltung zu entwickeln.

  • Experimentierfeld DigiMilch - Vernetzung vom Feld bis in den Melkstand

  • Kuh-mehr-Wert-Navigator - bessere Vereinbarung von Leistung und Tiergesundheit

  • Tierwohlampel - Physiologisches Tierwohl-Mess und Management-System für Milchrinder

  • Verbundprojekt AutoPasture - Digitale Anwendungen für ein autonomes Herden- und Weidemanagement von Rindern

  • AgriData Observatory: Beobachtungsstelle für Verträge über die Nutzung der von smarten Landmaschinen generierter Daten. Das Projekt lädt zur Mitwirkung und Teilen von Erfahrungen ein. 

  • Robotik auf der Weide 

  • Forschungsprojekt POWERAIMAGE – Befähigt für eine Welt der Bilder

Referenzen