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IT-Sicherheit – Prävention auf dem tierhaltenden Betrieb

Stand: Juni 2026

  • Prof. Dr. Wolfgang Büscher, Universität Bonn
  • Dr. Katharina Dahlhoff, Versuchs- und Bildungszentrum Haus Düsse
  • Dr. Adriana Förschner, Landwirtschaftliches Zentrum Baden-Württemberg
  • Dr. Jernej Poteko, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
  • Prof. Dr. Ralf Waßmuth, Hochschule Osnabrück

Gast:

  • Dr. Isabella Lorenzini, LfL

  • Dr. Rebecca Simon, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen
  • Saskia Markmann, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen
  • Leonie Schnecker, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Einleitung

In einem modernen tierhaltenden Betrieb findet man eine Vielzahl digitaler Geräte und Anwendungen. Die Bandbreite reicht von den Automatischen Melksystemen bis hin zur Zykluskontrolle. Auch im Rinderstall ist die Digitalisierung kaum noch wegzudenken: Füttern, Melken, Brunstdetektion oder die Erfassung und Bewertung von Gesundheitsparametern – viele gesundheits- und tierwohlrelevante Systeme laufen digital gestützt. Ein Ausfall oder eine gestörte Funktionsweise können einen Betrieb vor große Herausforderungen stellen - auch finanziell. 

Darüber hinaus ist es wichtig ein Bewusstsein für die auf dem Betrieb befindlichen Daten zu schaffen, für die in manchen Fällen auch Dokumentationspflichten herrschen. Neben sensiblen Betriebsdaten und Informationen sind dies auch die persönlichen Daten von Mitarbeiter:innen oder auch historische Daten sowie Bilder, die unter Umständen nicht wiederherstellbar sind. 

Das Bewusstsein für die Gefahren, die mit dem Einsatz digitaler, internetfähiger Technik verbunden sind, ist oftmals noch gering. Diese Gefahren werden häufig unterschätzt, sind jedoch real und Teil des Alltags im digitalen Umfeld.

Besondere Risiken und Herausforderungen auf landwirtschaftlichen Betrieben

  • enge Verknüpfung des privaten und betrieblichen Bereichs - auch auf digitaler Ebene
  • hohe Abhängigkeit von (diversen) externen Dienstleistern
  • externe Dienstleister haben häufig fast uneingeschränkten Systemzugang (Fernwartung etc.)
  • Verwendung anfälliger Betriebssysteme und Geräte (Out of support)
  • permanente Verbindung vieler Systeme mit dem Internet
  • hohe Vernetzung der Systeme untereinander
  • Angewiesenheit auf einen reibungslosen Betriebsablauf – Probleme können sich schnell auf  Tiergesundheit und Tierwohl auswirken
  • fehlende Ressourcen - Betriebsleiter:in ist i.d.R. auch für die IT-Sicherheit verantwortlich
  • landwirtschaftliche Betriebe können zur kritischen Infrastruktur (KRITIS) im Sektor Ernährung gehören

Nicht nur digitale Angriffe können zu Datenverlust und Funktionsverlust von Systemen auf dem Betrieb führen, sondern auch der simple Verlust von Endgeräten (Diebstahl, Defekt). Prinzipiell gilt: „Wer abschließt und sich schützt, hat den Frieden – wer’s lässt, der lockt die Diebe.“ Typische Angriffsziele und -typen sind in Tab. 1 dargestellt. Angriffsziel können alle mit dem Internet verbundene Geräte darstellen, z.B. auch solche die per Fernwartung gesteuert werden können.

AngriffWas ist betroffen?Wie kann es dazu kommen?Erläuterung und Konsequenzen
Diebstahl / VerlustStall-PC (Agrarbüro-PC), Betriebssmartphone, Speichermedien, Industrie-PC (in Systemen verbaut)Durch den Verlust des Smartphones sind die Zugänge zur Melkroboter-Software sowie des Herdenmanagements verloren. Die Systeme können nicht oder nur teilweise genutzt werden.

Durch Diebstahl / Verlust des Endgerätes können Zugänge zu Systemen und Daten verloren werden, ggf. kann nicht mehr auf Fachsoftware zugegriffen werden. Nicht gesicherte Daten können unter Umständen nicht wiederhergestellt werden.

Geräte nicht unbeaufsichtigt lassen.

Leak (Benutzerdaten / Mobilnummern)WhatsApp, E-Mailadresse, Telefonnummer, Social-Media-KanäleErhalt gefälschter Paketankündigungen oder Rechnungen an die „geleakten“ Kontaktdaten → Phishing („Gefahr: Infizierung des Betriebs- PC / Mobilgeräte)Persönliche (Kontakt-)Daten werden bei einem Hackingangriff auf einen Dienstleister (z.B. Onlinehandel) gekapert, nicht autorisiert veröffentlicht und dann von Angreifern genutzt um gezielt Nachrichten mit Links zu gefälschten und infizierten Homepages oder Apps zu versenden (Phishing).
PhishingStall-PC, Betriebssmartphone, WhatsApp,
E-Mailadresse des Betriebes, Bankdaten, Social-Media-Kanäle
Erschleichung von Zugangsdaten (z.B. Melkroboter, Monitoringsysteme, Bankdaten)

Diebstahl von Zugangs- oder Bankdaten über gefälschte oder infizierte Websites, Apps, QR-Codes oder Anrufe.

Anschließender Datenmissbrauch / Identitätsdiebstahl.

Ransomware 
(Schadsoftware / Verschlüsselungstrojaner)
Stall-PC, Industrie-PCÜber das Anklicken eines infizierten Links wird die Installation der Ransomware ausgelöst, der komplette PC mit Stallsoftware (Melkroboter / Monitoringsysteme…) wird gesperrt. Der Bildschirm zeigt ggf. eine Lösegeldforderung als Dauerbild.Der PC wird durch Ransomware verschlüsselt. Zur Freigabe erfolgt eine Lösegeldforderung, oft in Bitcoin. Trotz Zahlung erfolgt eine Entschlüsselung lediglich in ~ 50 % der Fälle. Der PC ist nach Verschlüsselung nicht mehr nutzbar.

DDoS

(Distributed-Denial-of-Service-Angriff)

Alle web- oder cloud-basierten Softwarelösungen, z.B. Monitoringsystem auf Cloud-BasisDie angegriffenen Server von Herstellern, Dienstleistern, Zuchtverbänden, HI-Tier oder ähnlichen sind so überlastet, dass Dienste nicht mehr erreicht werden können. So kann z.B. keine Bewegungsmeldung nach Tierzukauf über die Online-Maske der Datenbank mehr erfolgen.„Bot“-Netzwerke / Software senden unendlich viele Anfragen an die anzugreifende „Web-Software oder Datenbank. Die große Anfragenlast überlastet die Server und führt dazu, dass diese nicht mehr erreichbar sind. 
Schutz erfolgt meist durch den Dienstleister / Anbieter.
SpamStall-PC / BetriebssmartphoneE-Mails die z.B. ein hohes Erbe, ein Jobangebot oder ein Kennenlernen des Traumpartners versprechen. Aber auch gefälschte Behördenkommunikation zu angeblichen Strafanzeigen.  Häufig werden Geldforderungen laut.In der Regel E-Mails, die die anzugreifende Person unverlangt erreichen. Sie enthalten Werbung, Betrugsversuche oder gefälschte Links (siehe Phishing / Ransomware)
Computerviren / WürmerStall-PC / BetriebssmartphoneMeistens gelangt der PC-Nutzende über gefälschte Links beim Surfen und lädt so gefälschte Software (oft kleine Spiele) herunter.

Durch Virenbaukästen lässt sich auf einfache Weise Schadsoftware zusammen klicken und auf gefälschten Websites platzieren oder per Mail versenden.

Angriffe zielen meistens auf Phishing ab. 
Heute eher selten.

Social EngineeringStall-PC, Betriebssmartphone, WhatsApp,
E-Mailadresse des Betriebes, Bankdaten, Social-Media-Kanäle
Ein angeblicher Support-Mitarbeiter verschafft sich unter Vorgabe falscher Informationen Zugriff zu Zugangsdaten und kann so vor Ort oder über den Fernzugriff Manipulationen am System oder den Diebstahl sensibler Daten vornehmen.Der Mensch wird als Schwachstelle genutzt. Es wird versucht durch Täuschung und Manipulation das Vertrauen zu erschleichen und so eine Herausgabe persönlicher Daten zu erreichen (siehe Phishing).

Tabelle 1: Typische Angriffsziele und -typen

Hinweis

Die Einrichtung und Wartung von IT-Sicherheitssystemen kann an externe Dienstleister ausgelagert werden. Inzwischen gibt es sogar Anbieter, die sich auf landwirtschaftliche Betriebe spezialisiert haben. Die Nutzung der Dienstleistung sowie der Abschluss einer speziellen Cyber-Versicherung muss betriebsindividuell geprüft und abgewogen werden.

Um einen Betrieb proaktiv bestmöglich davor zu schützen, dass Daten bzw. Informationen abgegriffen, manipuliert oder zerstört werden, sollten einige Grundsätze der IT-Sicherheit beachtet werden. Kosten und Aufwand die für die Erstellung eines Basisschutzes (Abb. 2) anfallen sind als gering anzusehen. Das Ziel besteht darin, das Risiko eines analogen oder digitalen IT-Ausfalls zu minimieren. Eine hundertprozentige Sicherheit kann jedoch nicht garantiert werden. Für den Fall der Fälle sollte daher ein Notfallplan für den Betrieb vorhanden sein. 

Zurzeit sind Schulungsangebote für Betriebsleiter:innen sowie Mitarbeiter:innen noch rar. Besonders im Rahmen der Einarbeitung neuer Mitarbeiter:innen sollten Aspekte der IT-Sicherheit Teil der Unterweisung sein. 

Die nachfolgenden Merkblätter und Checklisten sollen daher eine erste Hilfestellung bieten, Vorsorgemaßnahmen für den eigenen Betrieb zu treffen und im Falle eines IT-Notfalls die wichtigsten Sofortmaßnahmen parat zu haben. 

zur Checkliste IT-Sicherheit

zur Checkliste IT-Vorfall

Hinweis Box mit Paragraphen_ Rechtliche Rahmenbedingungen

Nützliche Begriffe für den IT-Notfall und darüber hinaus

Proben der Schadsoftware, die zur Analyse seiner Herkunft und Funktionalität sowie Auswirkungen zu bestimmen (vgl. Beweismitteln an einem physischen Tatort)

Nummernfolge zur eindeutigen Identifizierung eines Computers in einem Netzwerk. Jedes netzwerkfähige Gerät hat eine eigene IP-Adresse

Eine automatisch erstelle Protokolldatei, die Prozesse und Aktionen in einem Computer oder Netzwerk protokolliert

Nachrichten und Wege wie im Vorfeld des Angriffes mit einem potentiellen Täter kommuniziert wurde

Zwei gegensätzliche Definitionen sind gebräuchlich:

  • Webseite auf der geprüft werden kann, ob die eigenen Daten (E-Mail, Passwörter etc.) von einem Datenleck (Leak) betroffen sind und veröffentlicht wurden.
  • Plattformen auf denen Daten aus Datenlecks durch Kriminelle veröffentlich bzw. verkauft werden.

Ein Konto, das mit erweiterten Zugriffsrechten ausgestattet ist. Im Gegensatz zum normalen Benutzer kann ein Administrator uneingeschränkt Änderungen der Systemeinstellungen vornehmen. 

Eine Zusammenstellung wichtiger Ereignisse im Computersystem, Anmeldeversuche und Treiberprobleme. 

Isolierung bzw. Trennung von Systemen oder Netzwerkabschnitten zur Vermeidung der Ausbreitung des Problems

Schadsoftware, die Systeme schädigen oder kontrollieren kann

Trennung von verschiedenen Netzwerken (privat und betrieblich)

Beschreibt die Art wie auf das Computersystem zugegriffen wird bzw. wurde:

  • lokale Nutzung = Der Zugriff erfolgt über die Nutzung des jeweiligen Endgerätes (z.B. Computer oder Tablet) vor Ort
  • Remote-Zugang = Fernzugriff auf ein System über das Internet oder ein lokales Netzwerk. Fernwartungssysteme bedienen sich häufig dieser Methode.
  • VPN-Verbindung (Virtual Private Network) = Über eine VPN-Verbindung können die IP-Adresse verborgen und der Standort verschleiert werden um die Daten vor unbeteiligten Dritten zu schützen. Eine VPN-Verbindung ermöglicht eine verschlüsselte Verbindung.
  • Cloud-Zugang = über einen Cloud-Zugang können von jedem internetfähigen Gerät aus Daten gespeichert, abgerufen und geteilt werden. Die Daten werden in einer Cloud auf externen Servern im Internet gespeichert. Hierfür gibt es verschiedene Anbieter, die die Dienste teilweise kostenfrei anbieten.

Zustand von Dateien oder des gesamten Systems bspw. nach einem IT-Vorfall. Sie können verloren / nicht mehr auffindbar, verschlüsselt sprich ohne Zugangsmöglichkeit oder auch ohne weiteren Befund sein.

Beschreibt vergleichbar mit einer Erkrankung die sichtbaren oder messbaren Auffälligkeiten. Das können sein:

  • Gesperrte Dateien
  • Fehler bei der Anmeldung bspw. durch gesperrte Zugänge
  • Systeme sind nicht erreichbar
  • Systeme arbeiten langsamer als im Normalfall 
  • Angezeigte Fehlermeldungen inkl. Fehlercode

Beschreibt eine Methode zur Manipulation unter Zuhilfenahme psychologischer Tricks mit dem Ziel die manipulierte Person zu bestimmten, unbedachten Handlungen zu bewegen. Der Mensch wird als Schwachstelle ausgenutzt, um Zugriff zu Daten, Systemen oder Gütern zu erhalten.

Nachrichten, Anrufe oder auch Werbeposts, die die Empfänger massenhaft und unerwünscht erreichen. Häufig zu Werbe- oder Betrugszwecken.

Cyberangriff, bei dem Server, Webseiten oder Netzwerke durch massive Anfragemengen gezielt überlastet werden, wodurch ein normaler Betrieb nicht mehr möglich ist.

Cyberangriff, der über betrügerische Nachrichten, Anrufe oder Webseiten versucht Menschen dazu zu bringen sensible Daten preiszugeben.

Schadsoftware, die einzelne Daten oder ganze Computersysteme verschlüsseln kann. Kriminelle nutzen diese Methode, um Lösegeld für eine Entschlüsselung zu erpressen.

Schadsoftware, die sich selbstständig vervielfältig und so mehrere Dateien oder Systeme infizieren bzw. schädigen kann. Es gibt verschiedene Typen bspw. Trojaner und Ransomware.