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SchweineWohl im Fokus: Tipps zur Haltung von Sauen im Wartestall und zur Findung einer geeigneten Buchtenstruktur

Eine Ausarbeitung der AG „Buchtenstruktur“ des Netzwerks Fokus Tierwohl

  • Christoph Becker, Landwirt (Impulsbetrieb Tierwohl)
  • Dr. Veronika Drexl, SchweineSpezialBeratung Schleswig-Holstein e.V.
  • Carmen Fögeling, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
  • Wilhelm Schulte-Remmert, Landwirt (Impulsbetrieb Tierwohl)
  • Christoph Selhorst, Landwirt
  • Dr. Manfred Weber, Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt
  • Rudolf Wiedmann, freier Berater Baden-Württemberg
  • Sandra Terletzki, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
  • Dr. Sabine Schütze, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
  • Laura Schönberg, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Nachdem Sauen im Deckzentrum besamt wurden, werden sie in den Wartestall umgestallt, wo sie während der Trächtigkeit in stabilen Gruppen und einer strukturierten Umgebung leben. Ein großer Unterschied zwischen dem Deck- und Wartestall ist das Platzangebot. Im Deckzentrum müssen den Sauen nach der Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) von Februar 2021 jeweils 5 m² Platz zur Verfügung stehen. Durch das hohe erforderliche Platzangebot im Deckzentrum, welches durch die Neugruppierung, Rangordnungsbildung sowie das Rauscheverhalten notwendig ist, werden die Sauen zukünftig in einigen Betrieben vermutlich für eine kürzere Zeit im Deckzentrum gehalten und früher in den Wartestall umgestallt. Dort verbleiben sie bis ca. eine Woche vor dem Abferkeltermin.

Die Planung der Gruppengrößen im Wartestall sollte unter Berücksichtigung der baulichen Gegebenheiten und des Fütterungssystems erfolgen. Bei kleineren Gruppen führt der gesetzlich vorgeschriebene Platz von 2,5 m² je Sau (Tab. 1) zu Schwierigkeiten bezüglich der Strukturierung, weil die Bucht grundsätzlich immer noch recht klein ist. In großen Gruppen reichen die vorgeschriebenen Quadratmeter zur Buchtenstrukturierung aus. Dort lassen sich die verschiedenen Funktionsbereiche gut trennen.
 

Tabelle 1: Vorgaben zur mindestens uneingeschränkt nutzbaren Bodenfläche abhängig von der Gruppengröße nach TierSchNutztV
 Fläche in Quadratmetern
 bei einer Gruppengröße bis 5 Tierenbei einer Gruppengröße von 6 bis 39 Tierenbei einer Gruppengröße von 40 oder mehr Tieren
je Jungsau1,851,651,5
je Sau2,52,252,05

Bodengestaltung

Im Wartestall sollte nach Möglichkeit, genau wie im Deckzentrum, auf Vollspaltenböden verzichtet und stets rutschfester und trittsicherer Boden verwendet werden. Die Tiere sind auf planbefestigten Böden aktiver, was auch gleichzeitig gut für die (Klauen-)Gesundheit ist. Eine leichte Rauheit des Bodens unterstützt den Klauenabrieb und fördert gesunde, nicht zu lange Klauen (Abb. 1). Sinkt die Aktivität der Tiere durch eine schlechte Klauengesundheit, steigt das Risiko für Erkrankungen (siehe hierzu Podcast "Gesunde Klauen - gesunde Sauen). Um den Sauen sowohl bei Wärme als auch Kälte einen geeigneten Boden anzubieten, empfiehlt es sich, einen Bereich zur Verfügung zu stellen, der das Tier Wärme abgeben lässt (Abb. 2) und einen, der das Ableiten von Körperwärme vermeidet.
 

Kotbereich

Im Kotbereich empfiehlt es sich, wie in anderen Produktionsstufen auch, Kontaktgitter zu installieren. Durch das Territorialverhalten gegenüber Tieren aus der Nachbarbucht setzen die Sauen bevorzugt an diesen Stellen Kot und Harn ab, weshalb die Bucht darüber mit strukturiert werden kann (Abb. 3). Bei planbefestigten Böden sollte es über eine leichte Perforation oder ein leichtes Gefälle mit Ablauf Möglichkeiten geben, über die Flüssigkeiten wie Urin oder Waschwasser abfließen können. Gleichzeitig wird somit auch die Rutschgefahr gemindert.1
Bei Spaltenböden muss auf einen ausreichenden Kotdurchtritt geachtet werden. Je größer das Platzangebot in der Bucht ist, desto mehr verteilen sich die Tiere, wodurch es zu einem geringeren Durchtritt kommt. 
Eine intensive Beleuchtung fördert die Etablierung einer Kotecke, da die Tiere bevorzugt dort koten und harnen, wo es besonders hell ist. Das Anbringen einer Lampe über dem Kotbereich kann somit zusätzlich die Bildung der Funktionsbereiche unterstützen. Sind Ausläufe vorhanden, werden diese von den Tieren gerne als Kotbereich genutzt, da sie dafür feuchte, kühle und zugige Stellen bevorzugen.2

Liegebereich

Die Sauen brauchen ausreichend Platz, damit alle Tiere einer Gruppe gleichzeitig ruhen können. Beachtet werden muss, dass nicht viel mehr Liegefläche vorhanden ist, als die vorgeschriebenen 1,3 m², damit sie von den Tieren nicht ungewollt zum Kotbereich umfunktioniert wird.3 Der Liegebereich sollte nicht im Durchgangsbereich mit viel Tierverkehr liegen. Eine Zugangsbreite von 2 m erleichtert den Sauen den Weg zum Liegebereich und bietet ausreichend Raum für den Individualabstand zwischen den Tieren.4 Hauptsächlich werden Liegebereiche nicht nach der Härte oder Weiche ausgewählt, sondern danach, ob der Bereich dunkel und ohne Zugluft sowie ausreichend temperiert ist, denn die Sauen mögen weder Zugluft noch helle Bereiche zum Ruhen.2,4 Wird der Liegebereich schlecht angenommen, können Einstreu oder eine Abdeckung über dem Liegebereich angeboten werden. Dies schafft ein für die Tiere angenehmes Kleinklima. Zusätzlich bringt die Abdeckung, vor allem unter Fenstern, eine dämmrige Liegeatmosphäre.1 Trotz der ruhigen Stelle der Liegefläche in der Bucht muss sie zur Tierkontrolle gut einsehbar sein. Zum Trennen von eingestreuten Bereichen und Spaltenböden bieten sich Strohschwellen mit einem Durchmesser von ca. 15 cm an (Abb. 4). Liegekessel am Rande der Bucht werden besser angenommen als Liegeinseln in der Mitte.1
Im Liegebereich sollte der Kontakt zu Tieren der Nachbarbucht vermieden werden. Blickdichte Buchtentrennwände sorgen für einen geschützten Raum. Auch die Trennwände der Liegekessel sollten blickdicht sein. Sind sie stabil gebaut, können sie gleichzeitig als Abliegehilfe für die Sauen dienen. Es ist gut, wenn die Sauen aus dem Liegebereich bzw. den Liegekesseln heraus den Überblick haben. Dann sind die Tiere entspannter, wenn z. B. der Stall betreten wird. Mehrere kleine Liegekessel (max. 2 m Tiefe) eignen sich besser als wenige große, da bei Letzteren häufig Unruhe entsteht, wenn Tiere aus dem hinteren Bereich aufstehen. Hinzu kommt, dass die Tiere nach dem Aufstehen häufig abkoten, weshalb große Liegekessel auf dem Weg von der Liegefläche in den Aktivitäts- oder Kotbereich eher verschmutzt werden als kleine Kessel (Abb. 5 & 6).
Eingestreute, verformbare Liegeflächen beugen punktuellen Gliedmaßenbelastungen, Haut- und Klauenschäden, Druckstellen oder auch Schleimbeutelentzündungen vor und mindern zudem Hautschäden, die während des Liegens oder Aufstehens durch angeraute Böden entstehen (Abb. 7).1
Jeder Sau müssen 1,3 m² Liegefläche zur Verfügung stehen, die nicht mehr als 15 % perforiert sein dürfen.

Fütterung

Knapp 54 – 67 % des Tages ruhen Wildschweine5 oder auch auf Weiden gehaltene Schweine.6 Die restliche Zeit verbringen sie vor allem damit, Futter zu suchen. Im Schweinestall ruhen die Tiere mehr, da die Futtersuche entfällt. Eine Fütterung, die gleichzeitig beschäftigt, ermöglicht ein artgerechtes Verhalten, da die Tiere mehr Zeit aktiv verbringen können. Es gibt in der Schweinehaltung verschiedene Möglichkeiten, die Sauen zu füttern. Das grundsätzliche Ziel der Fütterung liegt insbesondere während der Trächtigkeit auf der individuellen Konditionierung der Sauen. Die Wahl des Fütterungssystems ist z. B. von der Gruppengröße oder den örtlichen Gegebenheiten abhängig. Grundsätzlich sollten die Schweine gleichzeitig und ungestört fressen können. Dies ist z. B. über die Bodenfütterung möglich. Die tierindividuelle Fütterung ist nicht immer möglich. In diesem Falle bietet es sich an, Konditionsgruppen zu bilden. Es kann alternativ aber auch eine individuelle Zuteilung über eine Abruffütterung gewählt werden.

Werden die Sauen in der Außenklimahaltung gehalten, ist von einem erhöhten Futterverbrauch auszugehen. Zusätzliches Raufutter als Beschäftigungsfutter sollte nicht nur bei der Abruffütterung, sondern auch beim Einsatz anderer Futtervorlagen wie z. B. dem Einsatz von Fressständen oder bei der Bodenfütterung angeboten werden.

Abrufstationen

Durch die Abrufstationen und die damit einhergehende größere Gruppengröße lassen sich die Buchten einfacher strukturieren. Wichtig ist, Abrufstationen nicht als Sackgasse zu bauen. Dies kann am Eingang zu Gedränge und Kämpfen führen. Ideal ist es, die Tiere auf der anderen Seite aus der Station laufen zu lassen.
Nachteilig an diesem Fütterungssystem ist, dass die Fütterung aller Tiere lange dauert und kein synchrones Fressen ermöglicht wird. Vorteilhaft ist die tierindividuelle Fütterung.
Je Station sollten nicht mehr als 40 bis 50 Tiere zugeteilt werden. Abrufstationen ermöglichen eine gute Buchtenstrukturierung und getrennte Liege-, Aktivitäts- und Kotbereiche.4 Wichtig ist jedoch, wie bei allen Fütterungssystemen, dass den Tieren zusätzlich Beschäftigungsfutter und Maßnahmen zur Sättigung angeboten werden.1,4 Dies reduziert Stress am Stationseingang. Grundsätzlich fressen ranghohe Tiere bei diesem Fütterungssystem zu den Fütterungszeiten zuerst.  

Fressstände

Fressstände bieten eine weitere Möglichkeit zur Fütterung im Wartestall. Ein Schließmechanismus schützt langsam fressende Sauen vor Futterneid und senkt die Verletzungsgefahr. Eine Breite des Fressstandes von 50 cm ist gut geeignet und reicht auch für eine kurzzeitige Fixierung während einer Behandlung aus. Alternativ dazu können Langtröge mit Fressplatzteilern genutzt werden (Abb. 8). Diese sind meist in einem Abstand von 50 cm angebracht, haben aber im Gegensatz zu Fressständen nur eine Tiefe von ca. 70 cm statt 200 cm. Fressplatzteiler eignen sich nur bei stabilen und kleinen Gruppen von bis zu 10 Sauen gut, aber nur dann, wenn keine Fixiermöglichkeiten vorgehalten werden sollen. Die Platzteiler sollten blickdicht sein. Als Materialien eignen sich z. B. dünne Bleche, Holzbretter oder Resopalplatten. Ein positiver Aspekt dieser Fütterungsvariante ist das synchrone Fressen der Tiere.

Bodenfütterung

Entscheidet sich ein Betrieb für die Bodenfütterung, wählt er die natürlichste Form der Futteraufnahme, bei der die Tiere einen Teil ihrer natürlichen Verhaltensweisen ausleben können. Die Sauen sind länger mit der Futteraufnahme beschäftigt und können alle gleichzeitig auf dem Boden im Futter wühlen und Reste suchen (Abb. 9). Es bietet sich ausschließlich die Trockenfütterung dafür an, die z. B. über Rohrketten, Schnecken oder von Hand möglich ist.
Es wird eine Einteilung in drei Konditionsgruppen empfohlen, da eine tierindividuelle Fütterung ansonsten nicht möglich ist.1 Als Gruppengröße bieten sich ca. 20 Sauen an. Soll für eine Bodenfütterung umgebaut werden, ist ein planbefestigter Boden eine Grundvoraussetzung. Häufig werden die Liegeflächen als Futterplatz gewählt, wodurch diese gleichzeitig von den Tieren sauber gehalten werden. Eine Empfehlung ist, einmal täglich zu füttern und dabei zwei Mal auszudosieren, damit das Futter sauber aufgefressen wird. Dies vermeidet viel Unruhe in der Bucht und der Liegebereich kann die meiste Zeit als solcher genutzt werden. Bei Teilspaltenböden bietet die Fütterung auf dem planbefestigten Boden Sicherheit, dass dieser auch im Sommer sauber bleibt. Die Futterverteilung sollte möglichst gleichmäßig sein. Dafür sind Anzahl und Position der Volumendosierer entscheidend. Die Dosierer sollten nahe an der Wand angebracht werden, um Verluste über die Spalten zu reduzieren. Trotzdem sollte bedacht werden, dass rund um das herabgefallene Futter ausreichend Platz sein muss, damit es alle Sauen erreichen können. Abbildung 22 stellt eine von der AG erarbeitete Beispielbucht für die Bodenfütterung dar.

Auf dem Betrieb Urban, der auch am Projekt „EIP Schwein“ beteiligt war, wird die Bodenfütterung in manchen Stallbereichen aktiv angewendet. 

Zur Betriebsreportage

Werden die Sauen in der Außenklimahaltung gehalten, ist von einem erhöhten Futterverbrauch auszugehen. Zusätzliches Raufutter als Beschäftigungsfutter sollte nicht nur bei der Abruffütterung, sondern auch beim Einsatz anderer Futtervorlagen wie z. B. dem Einsatz von Fressständen oder bei der Bodenfütterung angeboten werden.

Tränken

Es empfiehlt sich, die Tränken über Spaltenböden oder anderen Abläufen zu installieren, damit überschüssiges Wasser abfließen kann. Bei der Verwendung von Nippeltränken muss auf Schutzbügel geachtet werden, um die Verletzungsgefahr zu minimieren (Abb. 10). Sind die Tränken im befestigten Bereich angebracht, sollte ein Gefälle vorgehalten werden, damit überschüssiges Wasser über die Spaltenböden abfließen kann. Das Wasser kann anderweitig auch z. B. über Rohre im Beton abgeführt werden. Ein perforiertes Podest, auf dem sich eine Tränke befindet, ist eine weitere Möglichkeit.
Bei der Verwendung von offenen Tränken ist zu beachten, dass diese nicht im Kotbereich installiert sind, um Verschmutzungen durch das Hereinkoten zu reduzieren. Dahingehend empfiehlt sich eine Tränkeinsel.  

Beschäftigungsmöglichkeiten

Zur Beschäftigung sind Raufutterraufen gut geeignet. Sie können für die Sauen z. B. mit Stroh oder Heu befüllt werden, wobei Heu eine höhere Akzeptanz besitzt als Stroh. Bei hygienisch einwandfreiem Material kann auch Grassilage angeboten werden. In der Biohaltung ist die Verwendung von Grundfutter wie z. B. Grassilage vorgeschrieben.
Die Raufen sollten an mehreren Positionen in der Bucht angebracht werden, damit Tiere verschiedener Rangordnung Zugang dazu haben. Da im Auslauf häufig gekotet wird, sollten die Raufen draußen in sauberen Bereichen angebracht werden. Zu beachten ist zudem, dass trotz der Raufen eine einfache und maschinelle Entmistung möglich ist. Unter den Raufen sollten Festflächen sein, damit das Futter nicht direkt durch die Spalten fällt und Probleme hinsichtlich der Entmistung vermieden werden. Spaltenböden können z. B. mit Spaltenclipsen verschlossen werden. Eine Aufkantung von befestigten Flächen ist nicht zu empfehlen, da diese Flächen schwerer zu reinigen sind, falls die Tiere draufkoten oder auch um Restfutter zu entfernen.
Oftmals haben die im Handel erwerbbaren Raufen ein geringes Fassungsvermögen und müssen häufig befüllt werden. Dies sorgt für stets frisches und attraktives Material, erfordert jedoch einen höheren Arbeitsaufwand. Um den Arbeitsaufwand durch sehr häufiges Befüllen etwas zu mindern, bietet es sich mit einem bisschen handwerklichen Geschick an, selber größere Raufen zu bauen. Dies kann beispielsweise aus stabilem Baustahlgewebe erfolgen. Bei ausreichend Platz in der Bucht oder bei großen Gruppen im großen Auslauf ist auch die Verwendung von Rundballenraufen möglich.1
Die Abstände der Stäbe der Raufe müssen so gewählt werden, dass das Material nicht sofort vollständig rausgezogen werden kann und auf dem Boden liegt, aber trotzdem eine adäquate Menge von den Tieren genutzt werden kann. Es eignen sich je nach Halmlänge Abstände von ca. 5 – 10 cm. Bei Spaltenböden ist Langstroh weniger geeignet als kürzer geschnittenes Stroh. An der Wand angebracht müssen die Raufen so tief hängen, dass sie für alle Tiere erreichbar sind. Vermieden werden sollten nach unten unerreichbare Stellen an der Raufe oder auch Dreiecksformen, die Raufen sollten somit nach unten nicht komplett geschlossen sein. Das Futter bleibt an den schwer erreichbaren Stellen lange liegen und verdirbt mit der Zeit. Eine Folge können kranke Sauen sein. Beispiele für Raufen sind in den Abbildungen 11 – 16 zu sehen.

Als weitere Beschäftigungsmöglichkeiten eignen sich mit Materialien gefüllte Wühltürme (Abb. 17) oder auch Pelletautomaten. Letztere bieten sich vor allem in Spaltenbodenställen gut an. Zusätzlich können weitere verschiedene Beschäftigungsmaterialien dazu dienen, zufriedene Sauen im Stall zu haben. Dazu zählen zusätzlich zum Raufutter z. B. eingestreute Bereiche, Seile oder auch Bürsten (Abb. 18). Um ein schnelles Anfressen der Bürsten zu vermeiden, können Bürsten aus dem Rinderbereich genutzt werden, die sich automatisch drehen (Abb. 19). Zum Scheuern können Malbäume verwendet werden (z. B. Holzstämme) oder auch Scheuermöglichkeiten aus Edelstahl. Letztere sind hochpreisiger, aber dafür gut zu reinigen.

Klima

Schweine können nicht schwitzen und haben bei zu hohen Temperaturen ein starkes Bedürfnis, Wärme abzugeben. Bei zu hohen Temperaturen steigt z. B. die Atemfrequenz der Tiere und es kommt zu Hitzestress. Länger anhaltende hohe Temperaturen können gesundheitliche Folgen haben.7 Wildschweine nutzen zum Abkühlen im Wald Suhlen. Auch bei unseren Hausschweinen stehen in den Boden eingelassene Suhlen zur Auswahl. Die AG rät jedoch davon ab, da die Suhlen schnell eine hohe Keimbelastung mit bspw. Leptospiren aufweisen und zudem einen hohen Arbeitsaufwand mit sich bringen. Es reichen zum Teil bereits geneigte Flächen aus, die benässt werden können, damit sich die Tiere durch Bodenkontakt abkühlen können. Als ideale Lösung empfiehlt die AG jedoch Mikrosuhlen oder leichte Duschen (Abb. 20). Diese haben den Vorteil, dass weitestgehend nur die Sauen benässt werden und kein großer Bereich der umliegenden Buchtenfläche. Es reicht bereits ein einfaches Gardena-System aus. Befestigte Böden sollten ein leichtes Gefälle haben (ca. 1 %), um Flüssigkeiten ableiten zu können. Im Auslauf helfen überdachte Kühlmöglichkeiten dabei, Sonnenbrände zu vermeiden.
Das Wärmebedürfnis bei Sauen und Mastschweinen darf nicht 1:1 übertragen werden, da Sauen durch das erhöhte Platzangebot mehr Raum erwärmen müssen und durch eine geringere Futteraufnahme weniger Wärme bilden als Mastschweine. Aus diesem Grund müssen ihnen z. B. auch wärmegedämmte Liegebereiche zur Verfügung stehen. Dies lässt sich z. B. anhand des Raumvolumens bei 3 m Deckenhöhe darstellen: 2,25 m² je Sau = 6,75 m³ Raumvolumen je Sau vs. 0,75 m² je Mastschwein = 2,25 m³ Raumvolumen.1 Der Liegebereich sollte für die Sauen klimatisch vom Rest der Bucht abgetrennt werden. Er kann gedämmt oder mit viel Stroh ausgelegt sein.1  

Weitere Informationen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL): Vermeidung vom Hitzestress im Schweinestall

Beispielbuchten

Beispielbuchten

Die AG „Buchtenstruktur“ hat zwei Planungsbeispiele für Buchtenstrukturen im Wartestall erarbeitet. Eine für eine Bucht mit Abruffütterung (Abb. 21) und eine für eine Bucht mit Bodenfütterung (Abb. 22). Weiterhin wird auf ein Beispiel einer Dreiflächenbucht verwiesen (Abb. 23). Weitere Planungsbeispiele sind im Gesamtbetrieblichen Haltungskonzept Schwein – Sauen und Ferkel zu finden.

Literatur