Aktuelle Herausforderungen in der Schweinehaltung – Impulse zu Stallbewertung, Sauenernährung und Praxisentwicklung beim Netzwerktreffen der Impulsbetriebe Schwein
Am 27. und 28. Mai 2026 trafen sich die Impulsbetriebe Schwein des Netzwerks Fokus Tierwohl zu ihrem zweiten Netzwerktreffen des Jahres in Schwarzach am Main in Bayern. Die teilnehmenden Impulsbetriebe kamen gemeinsam mit dem FiBL Deutschland e.V., der Geschäftsstelle Schwein von der LWK NRW sowie der Verbundkoordinatorin Katja Braase vom VLK am Staatsgut Schwarzenau zusammen.
Nach der Begrüßung durch Christian Lambertz und Paulina Kluger vom FiBL Deutschland e.V. startete der erste Veranstaltungstag mit einer Vorstellungsrunde der teilnehmenden Betriebe. Einige Betriebe hatten Fotos und Videos ihrer Höfe mitgebracht und ermöglichten so bereits zu Beginn einen lebendigen Austausch über betriebliche Besonderheiten, aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in der Praxis.
Im Anschluss stellte Frau Dr. Scholz vom Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) das interaktive Kalkulations- und Informationssystem für Tierhaltungsverfahren (InKalkTier) vor. In einer Einführung erläuterte sie die vielfältigen Bewertungskriterien des Programms, darunter Tiergerechtheit, Emissionspotenzial sowie Investitions- und Betriebskosten. Anhand von Beispielen aus der Schweinehaltung zeigte sie die Anwendungsmöglichkeiten des webbasierten Tools auf und verdeutlichte, wie Betriebe ihre eigenen Haltungsverfahren analysieren und mit alternativen Systemen vergleichen können. Darüber hinaus lassen sich auch zukünftige Haltungsverfahren abbilden und bewerten. Die anschließende Diskussion zeigte das Interesse der Teilnehmenden. Besonders praxisnah war der Erfahrungsbericht eines Betriebes, der InKalkTier bereits im Rahmen eines Stallbauprojektes eingesetzt hatte.
Nach einer kurzen Pause stand das Thema „Aktuelle Herausforderungen in der Sauenernährung“ im Mittelpunkt. Herr Prof. Dr. agr. Georg Dusel von der Technischen Hochschule Bingen gab hierzu wertvolle Einblicke aus Forschung und Praxis. Gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutierte er zunächst aktuelle Herausforderungen in den Betrieben, darunter geringe Absatzgewichte der Ferkel, Probleme im Bereich Fundament und Klauen sowie die Sicherstellung einer guten Milchleistung der Sauen. Anschließend stellte er aktuelle Forschungsergebnisse zur Fütterung tragender und säugender Sauen vor. Dabei wurde deutlich, dass neben einer bedarfsgerechten Energie- und Proteinversorgung insbesondere die Versorgung mit ausgewählten Aminosäuren, Vitaminen und Zusatzstoffen eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Ferkel spielt. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Bedeutung der Faserfraktion im Futter. Diese trägt nicht nur zur Sättigung und Beschäftigung der Sau bei, sondern unterstützt auch die Darmgesundheit und das allgemeine Wohlbefinden. Für die Bewertung der Faserqualität hob Prof. Dusel insbesondere die bakterienfermentierbare Substanz, das Quellvermögen sowie die Wasserhaltekapazität hervor. Darüber hinaus ging er auf die Kolostrumqualität und -menge ein und erläuterte, dass deren Zusammensetzung erheblichen individuellen Schwankungen unterliegt. Der Vortrag bot zahlreiche fachliche Impulse und regte intensive Diskussionen unter den Praktikerinnen und Praktikern an.
Der Abend klang bei einem gemeinsamen Abendessen und weiterem fachlichen Austausch aus. Am zweiten Veranstaltungstag besichtigten die Teilnehmenden das Staatsgut Schwarzenau. Dabei erhielten sie Einblicke in die Versuchsställe mit rund 250 Zuchtsauen, 1.000 Ferkelaufzuchtplätzen und 1.000 Mastplätzen. Besonderes Interesse galt auch dem derzeit im Bau befindlichen Schweinemaststall, dessen Konzept vorgestellt wurde. Darüber hinaus konnten die Teilnehmenden das betriebseigene Schlachthaus besichtigen und sich über die dortigen Abläufe informieren.
Nach einem gemeinsamen Mittagsimbiss folgte die Abschlussrunde mit der Evaluation des Treffens. Dabei wurden bereits erste Ideen für das dritte Netzwerktreffen des Jahres diskutiert, das voraussichtlich im Herbst stattfinden wird. Trotz einiger kurzfristiger Absagen fiel die Teilnehmerzahl dieses Mal etwas geringer aus als gewohnt. Dies tat dem fachlichen Austausch jedoch keinen Abbruch. Die intensive Diskussion und der offene Erfahrungsaustausch zeigten erneut den hohen Mehrwert des Netzwerkes für die beteiligten Betriebe.
Die Teilnehmenden kehrten mit neuen fachlichen Impulsen, vertieften Kontakten und praxisrelevantem Wissen auf ihre Betriebe zurück. Wir bedanken uns herzlich bei allen Betrieben für ihre Teilnahme und ihren Beitrag zum Gelingen der Veranstaltung! Wir freuen uns darauf, möglichst viele Teilnehmende beim nächsten Netzwerktreffen sowie auf der EuroTier wiederzusehen.
Autorin: Paulina Kluger, FiBL Deutschland e.V.