EIP-Projekt „WurmFrei“: Vom Befund zur Maßnahme: Wurmbelastung und Reduktionsstrategien in Freiland-Legehennenherden
Endoparasiten stellen in der Legehennenhaltung ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar. Insbesondere in Haltungen mit Freilandzugang ist das Risiko einer wiederholten Ansteckung hoch, da infektiöse Wurmeier über den Kot in den Auslauf gelangen und sich dort im Boden anreichern. Die Infektion erfolgt überwiegend über die orale Aufnahme von Wurmeiern aus der Umwelt sowie über Zwischenwirte wie Regenwürmer, die im Auslauf regelmäßig aufgenommen werden. Vor allem im stallnahen Bereich, der von den Tieren intensiv genutzt wird, kommt es zu einer hohen Kotbelastung. Dadurch haben die Hennen ständig Kontakt mit potenziell infektionshaltigem Material und nehmen die Parasiten leicht wieder auf.
Wirksame Biosicherheitsmaßnahmen lassen sich im Freiland jedoch nur eingeschränkt umsetzen. Eine konsequente Trennung von Tier und Kot, wie sie im Stallbereich möglich ist, kann im Auslauf kaum realisiert werden.
Zu den bedeutendsten Endoparasiten in der Geflügelhaltung zählen der Spulwurm (Ascaridia galli) und der Blinddarmwurm (Heterakis gallinarum). Nach oraler Aufnahme infektiöser Wurmeier beginnt nach circa 10-20 Tagen der Schlupf der Ascaridia galli-Larven im Dünndarm und anschließend deren Wanderung und Entwicklung innerhalb der Darmschleimhaut. Die adulten, geschlechtsreifen Würmer produzieren erneut Eier und das Huhn scheidet wieder infektiöse Wurmeier aus. Nach circa 8 Wochen ist ein Lebenszyklus vollendet. In der ökologischen Haltung steigt durch den verpflichtenden Zugang zu einem Auslauf bereits in der Junghennenaufzucht das Risiko einer frühen Infektion.
Zur Bekämpfung von Wurminfektionen werden standardmäßig chemische Anthelminthika eingesetzt. Innerhalb der Europäischen Union ist derzeit für Legehennen ausschließlich die Wirkstoffklasse der Benzimidazole zugelassen, zu der unter anderem der Wirkstoff Flubendazol gehört. Diese Präparate weisen eine hohe antiparasitäre Wirksamkeit auf, sind jedoch mit verschiedenen Herausforderungen verbunden. Wiederholte Anwendungen können so etwa zu Resistenzen führen. Ökologisch wirtschaftende Betriebe dürfen während der Behandlungsdauer (ca. 5–7 Tage) sowie einer anschließenden Wartezeit von 48 Stunden, die erzeugten Eier nicht als ökologische Produkte vermarkten, was zu wirtschaftlichen Einbußen führt. Vor diesem Hintergrund wächst der Bedarf an alternativen Strategien zur nachhaltigen Parasitenkontrolle erheblich.
Das EIP-Projekt „WurmFrei“ möchte diese Problematiken angehen und verfolgt das Ziel, praxistaugliche, alternative Ansätze zur Kontrolle des Wurmbefalls bei Legehennen aufzuzeigen und wissenschaftlich zu evaluieren. Das Projekt wird im Zeitraum von Juli 2024 bis Juli 2027 durchgeführt und stellt eine Kooperation zwischen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, dem Forschungsinstitut für Nutztierbiologie, Naturland NRW e. V. sowie zwei landwirtschaftlichen Praxisbetrieben dar.
Ein erstes Projektziel ist zunächst die Erfassung der aktuellen Wurmbelastung in 50 konventionell und ökologisch gehaltenen Legehennenherden in Niedersachsen. Hierzu werden über die gesamte Legeperiode hinweg regelmäßig Sammelkotproben analysiert und begleitende Managementdaten erhoben. Ergänzend erfolgen Untersuchungen von Bodenproben aus den Auslaufbereichen, um die Umweltkontamination mit infektiösen Wurmeiern zu quantifizieren. In ausgewählten Betrieben werden zusätzlich Sektionen verendeter Tiere durchgeführt, um neben den Wurmeiern in Kotproben auch die Befallsstärke von Hennen mit adulten Würmern stichprobenartig zu erfassen. Neben der zahlenmäßigen Bestimmung der Wurmeiausscheidung sowie der Bestimmung der Wurmspezies, wird insbesondere der Einfluss verschiedener Haltungssysteme (ökologisch versus konventionell; Mobilstall versus Feststall) und Managementstrategien auf das Infektionsgeschehen analysiert.
Jede Herde wird zu drei definierten Zeitpunkten – zu Beginn (24./25. Lebenswoche), in der Mitte (50. Lebenswoche) sowie gegen Ende der Legeperiode (80. Lebenswoche) – im Rahmen von Betriebsbesuchen untersucht. Dabei erfolgen die Entnahme von Sammelkot- und Bodenproben, die Erfassung von Haltungs- und Hygienemanagementparametern, eine visuelle Tierbonitur sowie die Befragung des Landwirts/der Landwirtin mittels eines standardisierten Fragebogens. Ergänzend entnehmen die Tierhalterinnen und Tierhalter im Abstand von zehn Wochen eigenständig Sammelkotproben, die im Labor hinsichtlich der Anzahl ausgeschiedener Wurmeier pro Gramm Kot untersucht werden.
Erste Projektergebnisse zeigen, dass zu Beginn der Legeperiode nahezu alle untersuchten Herden frei von nachweisbarem Wurmbefall sind. Ab etwa der 40. bis 50. Lebenswoche nimmt die Wurmbelastung jedoch kontinuierlich zu, was sich in einem vermehrten Einsatz chemischer Anthelminthika widerspiegelt. Die bislang eingesetzten Präparate zeigten eine sehr hohe Wirksamkeit und reduzierten die Wurmeiausscheidung nahezu vollständig. Ab der 60. Lebenswoche wird in zahlreichen Herden erneut ein Anstieg der Wurmbelastung beobachtet, sodass Anthelminthika häufig mehrfach innerhalb einer Legeperiode angewendet werden.
Im Gegensatz dazu zeigten bisher untersuchte pflanzliche Antiparasitika lediglich geringe bis keine antiparasitären Effekte. Ein kontinuierliches Monitoring des Wurmbefalls erweist sich daher als entscheidend, um Infektionsdynamiken frühzeitig zu erkennen und den Einsatz chemischer Entwurmungsmittel gezielt sowie möglichst ressourcenschonend zu gestalten. Langfristig soll das Projekt „WurmFrei“ zur Entwicklung praxisnaher und nachhaltiger Strategien der Parasitenkontrolle in der Legehennenhaltung beitragen und damit sowohl die Tiergesundheit, das Tierwohl als auch die ökonomische Stabilität der Betriebe verbessern. Ziel ist es, eine Web-Anwendung zur Risikobewertung des Wurmbefalls zu entwickeln.
„Pflanzliche Entwurmung funktioniert leider nicht. Die Würmer sind dauerhaft vorhanden und schwächen die Tiere sehr, sind eine hohe und dauerhafte Belastung und machen sie dadurch anfälliger für Krankheiten. Die Tränkeleitungen verstopfen und es wird ein massiver Biofilm in ihnen gebildet. Es gibt im Bio-Bereich keine vernünftige Möglichkeit die Leitungen zu reinigen. Eine chemische Entwurmung ist somit leider unumgänglich. Eine Entwurmung von 1-2 Mal im Jahr ohne Umstellung auf Bodenhaltung wäre eine sinnvolle Maßnahme.“