Vier Protokolle, eine Abfolge - von der Junghennenaufzucht zur Legehennenhaltung
Was Legehennhalter:innen zur Übergabedokumentation wissen und berücksichtigen sollten
Stand: Juni 2026
- Dr. Friedhelm Deerberg, Beratung & Projektmanagement Ökologischer Landbau
- Susanne Gäckler, DLG e.V.
- Dr. Peter Hiller, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
- Dr. Falko Kaufmann, Hochschule Osnabrück
- Dr. Christiane Keppler, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen
- Gesa Krone, FiBL Deutschland e.V.
- Dr. Annika Lange, Deutscher Tierschutzbund e.V.
- Prof. Dr. Stephan Schneider, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen
- Dr. Dieter Schulze, Praxis Am Bergweg GmbH
- Hannah Kanwischer, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
- Constanze Lüntzel, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Der Grundstein für eine erfolgreiche Legehennenhaltung wird in der Junghennenaufzucht ab dem ersten Lebenstag gelegt1. Nach der Junghennenaufzucht ist die Umstallung in den Legehennenstall ein wichtiger Abschnitt im Leben einer Henne. Im Aufzuchtstall sollten sich die Junghennen zunächst möglichst optimal entwickeln und die Stalleinrichtung und das damit verbundene Haltungssystem kennenlernen. Nach der Umstallung müssen sich die Hennen in einer neue Haltungsumwelt zurechtfinden.2
Die Stallsysteme während der Aufzucht sind zwar grundsätzlich der Legehennenhaltung nachempfunden, sie unterscheiden sich jedoch in einigen Punkten wie der Position und Anzahl der Ebenen, der Anordnung der Sitzstangen, sowie den Futter- und Wassereinrichtungen. Auch die Lichtverhältnisse - insbesondere bei Freilandhaltung - sowie die Betreuungspersonen und das Management sind nicht identisch. Das Aufzuchtsystem der Junghenne sollten dabei im Hinblick auf das Lichtprogramm, die Fütterungszeiten und die Zeitpunkte der Kontrollgänge, dem Haltungssystem im Legehennenstall möglichst entsprechen (TierSchNutztV §14 Abs. 1 Satz 4)3. Die Tiere sollten daher schon in der Junghennenaufzucht an alles gewöhnt werden, was ihnen im Legehennenstall begegnet.
Legeleistung und Gesundheit der späteren Legehenne sind maßgeblich vom Informationsaustausch zwischen dem Aufzucht- und dem Legebetrieb abhängig. Um den Informationsaustausch sicherzustellen hat der Landesbetreib Landwirtschaft Hessen und die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover vier Übergabeprotokolle (2 für den Aufzuchtbetrieb und 2 für den Legehennenbetrieb) geschrieben.
Junghenne - Qualitätjunghenne
Die Junghennen sollten ruhig und ausglichen aus der Aufzucht kommen. Dies gewährleistet, dass die Junghennen beim Einstallen in den Legehennenstall weniger Stress durch eine Umgewöhnung haben.1
Die Tiere werden zwischen der 16. und der 18. Lebenswoche umgestallt. Bis dahin sollte nach Möglichkeit das Impfprogramm der Herde vollständig abgeschlossen sein. Insbesondere die Nadelimpfungen sollten bereits zwei Wochen vor der Umstallung durchgeführt worden sein. Durch die Nüchterung (Futterentzug vor Verladung), den Transport und die neue Positionierung der Futter- und Wassereinrichtung ist ein leichter Rückgang der Gewichtsentwicklung kaum zu vermeiden. Dieser sollte jedoch so kurz wie möglich ausfallen, entsprechend sollten die Junghennen bereits vor der Verladung das vom Zuchtunternehmen vorgegebene Durchschnittsgewicht nicht unterschreiten.
Qualitätsjunghennen zeichnen sich unter anderem durch eine hohe Futteraufnahmekapazität aus, die ihrer Körpergröße in Abhängigkeit von der jeweiligen Genetik entspricht. Weitere Merkmale sind ein uniformes Herdenwachstum, ein vollständiges Gefieder, die Fähigkeit, mehrere Etagen des Stallsystems zu nutzen, sowie ein ausgeglichenes Gemüt. Letzteres umfasst insbesondere eine hohe Toleranz gegenüber Störungen und eine geringe Stressanfälligkeit.
Von zentraler Bedeutung für die Unterstützung ist außerdem, dass Junghennen ihre natürlichen Verhaltensweisen wie Picken, Scharren und Staubbaden ausüben können. Dies wird durch geeignete Materialien wie eine strukturierte und manipulierbare Einstreu, Picksteine und/oder Luzerneballen ermöglicht.
Diese Verhaltensweisen müssen früh erlernt werden, damit die aus der Aufzucht bekannten Beschäftigungsmaterialien in der Legehennenhaltung optimal genutzt werden.4
Wichtig ist es, die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Haltungsform zu beachten, wie zum Beispiel den Zugang zum Außenklima und/oder Freiland (EU-Öko-VO 848/2018 und Durchführungsverordnung und deren jeweils gültigen Auslegungshinweise7). Die Informationen, inwieweit diese Vorgaben umgesetzt wurden, sollten mit abgefragt werden.
Durch einen gelungenen Austausch zwischen Aufzucht- und Legehennenbetrieb kann möglicher zusätzlicher Stress für die Junghennen während der Umstallung vermieden werden1. Stellt sich innerhalb der ersten Einstallungswoche heraus, dass die Herde untergewichtig ist, sollte der Legebeginn durch Anpassung der Fütterung und des Lichtprogramms herausgezögert werden, damit die Tiere ihr optimales Startgewicht zum Legebeginn haben.
Checklisten im Detail
Im Folgenden sind vier Checklisten zum Thema Übergabe der Junghenne einzeln vorgestellt und detaillierter beschrieben. Mithilfe der Checklisten werden wichtige Informationen vom/von Aufzüchter:in an den/die Legehennenhalter:in (und ggf. Öko-Kontrolle) weitergeben, damit die Stallanlage optimal für die Junghennen vorbereitet werden kann und die Umstallung möglichst stressarm erfolgt.
Erläuterungen Junghennen-Checklisten als Anwenderhilfe
Weitere Informationen
MTool für Jung- und Legehennen
Der Besuch des Legehennenhalters/der -halterin bei der Aufzucht
Für eine optimale Vorbereitung der künftigen Legehennen sollte der/die Legehennenhalter:in nicht nur die Übergabe aus der Aufzucht im Blick haben, sondern auch schon die gesamte Aufzuchtperiode. Diese spielt eine wichtige Rolle, um den Stall für die zukünftigen Legehennen optimal vorzubereiten. Daher empfiehlt es sich, dass der/die zukünftige Legehennenhalter:in vorab den Aufzuchtbetrieb besucht bzw. mit diesem Rücksprache hält. 5
Folgende Daten sollten bei dem Aufzuchtbetrieb in Erfahrung gebracht werden: 6
- Basisdaten (Tierplätze, Schlupfdatum, Genetik, Bio-Zertifikate usw.)
- Haltung (Haltungssystem, Grobfutter/Pickmaterial/Staubbad)
- Stallklima (Luftqualität, Temperatur, relative Luftfeuchte)
- Licht (Lichtquelle, Lichtqualität und Lichtzeiten)
- Futter (Fütterungstechnik, Fütterung in der Aufzuchtphase, geplantes Futter vor Umstallung)
- Wasser (Tränketechnik)
- Tiergesundheit (Befunde und Tierverluste)
- Tiergewichte (Gewichtskurve und Ist-Stand)
- Tierwohlindikatoren (Tier- und Entwicklungszustand, Verhalten)
Checkliste: Junghennenhalter Checkliste für den Junghennenbesuch
Junghennen – Vorabbericht
Zur optimalen Vorbereitung auf die Ankunft der Junghennen sollten Legehennenhalter:innen mindestens 2 Wochen vor der Lieferung der Junghennen vom Aufzuchtbetrieb wichtige Informationen zum Status der Junghennen erhalten. Beispielsweise sollten Informationen zum vor der Umstallung eingesetzten Futter, zur Gewichtsentwicklung der Junghennen und zu Prophylaxemaßnahmen, wie den Zeitpunkten der Nadelimpfung, enthalten sein. Auch die von dem Aufzuchtbetrieb eingesetzten Beschäftigungsmaterialien, wie z.B. Picksteine (u.a. auch deren aktuelle Härtegrade), Grobfutterquellen oder der Einsatz von Magensteinen sollten mitgeteilt werden.5
Aus Biosicherheitsgründen sollten zwei Wochen vor dem Umstallen auch eine Salmonellenprobe durchgeführt werden (Geflügel-Salmonellen-Verordnung (§13 Abs2.b)8).
Übergabeprotokoll
Bei der Anlieferung erhält der/die Legehennenhalter:in das Übergabeprotokoll entweder direkt vom Fahrer oder per E-Mail. Dieses enthält Basisdaten, wie Gewichtsentwicklung, Uniformität der Herde, Impfstatus, Informationen zum Transport (Nüchterungszeitpunkt, Verladezeitpunkt) und aktuelle Managementhinweise. Die Managementhinweise, insbesondere für die Fütterungszeiten und das Lichtprogramm4, sind entscheidend für einen möglichst stressfreien Übergang vom Aufzuchtstall zum Legehennenstall. Durch ein gleichbleibendes Lichtprogramm sollen die Junghennen in ihrem gewohnten Tagesrhythmus bleiben, was sich positiv auf das Tierverhalten4 auswirkt und Verhaltensstörungen vorbeugt.6
Tiereingangskontrolle
Bei Ankunft der Junghennen im Legebetrieb sollte eine Tiereingangskontrolle zum Gefieder- und Gesundheitszustand erfolgen, die auch dokumentiert wird. Weiter sollte überprüft werden, ob Eier in den Transportboxen liegen und ob die Tiere im neuen Haltungssystem direkt Wasser und Futter finden.6
Literatur
- Kritische Kontrollpunkte in der Junghennenaufzucht – Landwirtschaftskammer Niedersachsen Broschüre_Layer HACCP_Junghennen.indd
- Mobile und stabile Junghennen aufziehen
- TierSchNutztV - Verordnung zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere und anderer zur Erzeugung tierischer Produkte gehaltener Tiere bei ihrer Haltung
- Hühnersignale von Jan Hulsen | ISBN 978-3-7843-5121-6 | Fachbuch online kaufen - Lehmanns.de
- Leitfaden Legehenne.indd
- Kommunikation erleichtert die Umstallung von Junghennen – Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen
- BMLEH - Ökologischer Landbau - Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau
- GflSalmoV - Verordnung zur Bekämpfung von Salmonellen beim Haushuhn und bei Puten