Blauzungenkrankheit bei Rindern: BTV-3 und BTV-8 erkennen, vorbeugen und richtig handeln
Der Frühling ist da, die Sonne scheint und mit der Wärme beginnt auch die Zeit für Insekten. Dadurch wird auch das Thema der Blauzungenkrankheit wieder präsenter. In diesem Jahr spielt jedoch nicht nur BTV-3 eine Rolle. Hinzu kommt die drohende BTV-8 Welle, die bereits im Herbst einige Gebiete im Süden Deutschlands erreichte. Für die Einschätzung des Risikos der Blauzungenkrankheit im neuen Jahr, die Möglichkeit der Prävention und auch für Fragen wurde im Rahmen des Netzwerk Fokus Tierwohl von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ein Infoabend veranstaltet. Herr Dr. Steinbeck, Fachreferent von der Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH und Tierärztin Frau Dr. Katharina Brüning gaben an diesem Abend einen ausführlichen Überblick zu der Thematik.
Was ist die Blauzungenkrankheit?
Die Blauzungenkrankheit wird durch ein Virus ausgelöst und befällt Rinder, Schafe, Ziegen, Neuweltkameliden und auch Wildwiederkäuer. Es handelt sich dabei um ein Orbivirus, von dem bereits 24 Serotypen entdeckt wurden. Die Inkubationszeit beträgt 2 – 15 Tage und die Virämie kann 40 – 80 Tage lang sein. Das bedeutet, dass die infizierten Tiere bis zu 80 Tage lang als Überträger der Krankheit gelten können.
In diesem Fall erfolgt die Übertragung durch einen sogenannten Vektor, die Gnitze. Gnitzen sind kleine Mücken, die durch das Saugen von Blut das Virus von einem Tier auf andere Tiere übertragen können. Bei einer Infektion innerhalb der Herde kommt es dadurch nicht sofort zu einer Erkrankung der gesamten Herde, sondern es bleibt über einen gewissen Zeitraum bei einer Prävalenz von ca. 30 %.
Typische Symptome bei einer Infektion sind Fieber und ein stark gestörtes Allgemeinbefinden, sowie die Schwellung von der Zunge, den Lippen und dem Kopf. Außerdem kann es zu Geschwüren und Entzündungen kommen. Die Tiere haben dadurch oft vermehrten Speichelfluss und eine stark verringerte Nahrungsaufnahme. Des Weiteren kann es zu Gelenks- und Klauenentzündungen kommen, die bei starken Verläufen sogar zum Ausschuhen führen können. Auch kann es zu einem Milchrückgang über einen Zeitraum von ca. 2 Monaten kommen. Im schlimmsten Fall führt die Blauzungenkrankheit zum Tod. Die Symptomatik ist bei Schafen am meisten ausgeprägt und auch die Mortalitätsrate ist am höchsten. Bei Rindern ist die Klinik in der Regel schwächer, jedoch auch nicht zu unterschätzen.
Des Weiteren spielt auch die intrauterine Infektion eine große Rolle. Die Blauzungenkrankheit kann Aborte, Totgeburten und Unfruchtbarkeit verursachen. Zudem kann es bei einer Infektion des Fötus zu starken Entwicklungsstörungen kommen.
Ausbreitung in Deutschland
In den Jahren 2007 und 2008 gab es den ersten Ausbruch der Blauzungenkrankheit in Deutschland. Damals handelte es sich um den Serotyp 8 (BTV-8). Durch eine Impfpflicht wurde das Virus jedoch wieder eingedämmt, so dass es erst im Oktober 2023 zu einer weiteren Infektion innerhalb Deutschlands kam. Seit 2023 ist der Serotyp 3 (BTV-3) in Deutschland verbreitet. Dazu kamen im Oktober 2025 vereinzelte Fälle mit dem Serotyp 8 (BTV-8) in Süd- bis Mitteldeutschland. Derzeit zirkulieren hiervon zwei unterschiedliche Stämme. Vermutlich verursacht der „neue“ BTV-8 Stamm im Vergleich zu dem „alten“ Stamm deutlich mehr klinische Symptome.
Die Blauzungenkrankheit ist in Deutschland meldepflichtig (Meldepflicht gem. TierSeuchMeldV vom 10.03.2026). Bei einer Infektion Bedarf es damit einer Mitteilung von haltenden oder betreuenden Personen an das Veterinäramt.
Bekämpfung der Blauzungenkrankheit
Es ist möglich die Ansteckungsgefahr zu verringern, indem der Gnitzendruck reduziert wird. Das kann durch Aufstallen oder die Ventilation des Stalls erfolgen. Da Gnitzen vor allem Dämmerungsaktiv sind, sind solche Maßnahmen zu diesen Tageszeiten besonders empfehlenswert. Eine weitere Möglichkeit ist die Behandlung der Tiere mit Mückenabwehrmitteln und die Vermeidung der Schur bei Schafen. Letzteres jedoch unter der Berücksichtigung der notwendigen Temperaturregulation der Tiere.
Wenn es zu einer Infektion mit dem BT-Virus kommt, gibt es keine direkten Mittel gegen die Krankheit. Da es eine Viruserkrankung ist, können nur die Symptome gelindert werden. Aus diesem Grund ist die Impfung die einzige Maßnahme, die die Tiere vor einem starken Verlauf schützen kann. Es können auch geimpfte Tiere erkranken. Diese zeigen jedoch mildere Verläufe und eine deutlich geringere Sterberate.
Zurzeit besteht keine Impfpflicht, wodurch die Impfung freiwillig ist. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (Stiko Vet) empfiehlt jedoch gefährdete Wiederkäuer zu impfen.
Je nach Zieltierart und Impfstoff ist eine ein- bis zweimalige Impfung zur Grundimmunisierung erforderlich. Eine Nachimpfung wird gemäß Packungsbeilage empfohlen und kann auch so in der Hi-Tier Datenbank dokumentiert werden. Um die Erregerausbreitung zu reduzieren, sollte die gesamte Herde geimpft werden. Da eine Impfung auch eine Belastung für den Körper und das Immunsystem ist, wird geraten nur gesunde Tiere zu impfen. Auch bei Beständen, die direkt von Krankheitsausbrüchen bedroht sind oder bereits Krankheitsfälle in der Herde haben, wird eine Impfung empfohlen.
Es ist wichtig zu beachten, dass keine Kreuzimmunität zwischen den Serotypen 3 und 8 besteht. In diesem Fall hilft eine Impfung gegen BTV-3 nicht gegen eine BTV-8 Infektion. Für den Schutz vor beiden Serotypen ist die Impfung mit zwei verschiedenen Impfstoffen notwendig. Zurzeit gibt es leider noch kein Kombipräparat, welches beide Serotypen mit einer Impfung abdeckt.
Zur Kontrolle einer Krankheit bedarf es einer stabilen Impfdecke von > 80 % der empfänglichen Tiere. Diese ist aktuell in Niedersachsen nicht annähernd erreicht. Aktuellen Zahlen vom 13.04.26 zufolge, beträgt die Impfabdeckung in Niedersachsen für BTV-3 bei Rindern 39 %, Schafen 69 % und Ziegen 30 % und für BTV-8 liegt die Impfabdeckung in Niedersachsen bei allen drei Tierarten zwischen 3,1 % - 3,3 %.
Die zugelassenen Impfstoffe gelten als sehr gut verträglich. Auch Untersuchungen zur Fruchtbarkeit konnten keinen Zusammenhang zwischen der Impfung und Fruchtbarkeitsstörungen feststellen.
Je nach Bundesland bieten die Tierseuchenkassen Unterstützung bei der Impfung gegen die Blauzungenkrankheit. Bitte informieren sie sich diesbezüglich bei der Tierseuchenkasse in ihrem Bundesland.
Weitere Informationen zu dem Thema Blauzungenkrankheit
Risikobewertung des Friedrich-Löffler-Instituts
Tierseuchengeschehen Friedrich-Löffler-Institut
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Autorin: Lea Fee Ammermann, Landwirtschaftskammer Niedersachsen