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Digitalisierung, Emissionsreduktion und Tierwohl – Impulse aus dem ersten Netzwerktreffen 2026 der Impulsbetriebe Schwein

Am 26. und 27. Februar 2025 trafen sich die Impulsbetriebe Schwein des Netzwerks Fokus Tierwohl im nordrhein-westfälischen Borgentreich. Das Treffen bot erneut eine wertvolle Plattform für fachlichen Austausch sowie praxisnahe Einblicke in aktuelle Entwicklungen rund um das Tierwohl in der Schweinehaltung.

Nach der Begrüßung durch Christian Lambertz und Paulina Kluger vom FiBL Deutschland e.V. startete der erste Veranstaltungstag mit einer Kurzvorstellung des EU-Projektes „WelFarmers“, das innovative Ansätze für mehr Tierwohl erforscht. Das Projekt beschäftigt sich aktiv mit praktischen Beispielen, wie Tierwohl in der Schweinehaltung verbessert werden kann, und zeigt Lösungsansätze, die bereits in der Praxis funktionieren. Ziel ist es, praxisnahe „Good Practices“ zu identifizieren, zu evaluieren und zu verbreiten – etwa Maßnahmen für höheres Platzangebot oder zur Reduzierung von Schwanzbeißen.

Anschließend tauschten sich die Betriebe zu ihren Erfahrungen auf den eigenen Betrieben aus. Im fachlichen Programm referierte Frau Dr. Hagenkamp-Korth (Universität Kiel, Landwirtschaftskammer NRW) zum Thema „Ammoniakemissionen in der Schweinehaltung reduzieren“. Sie stellte Maßnahmen wie Anpassung von Oberfläche, pH-Wert, Temperatur, Kot-Harn-Trennung, Ureaseaktivität und Fütterungsstrategien vor und betonte, dass alle Maßnahmen grundsätzlich Emissionen mindern können. Besonders Fütterungsstrategien lassen sich vergleichsweise einfach umsetzen, während technische und bauliche Maßnahmen betriebsspezifisch geprüft werden müssen. Für die Mastschweinehaltung gibt es belastbare Daten, für Sauen- und Ferkelhaltung ist die Datenlage geringer. Bei der Bewertung sollten neben dem Minderungspotenzial immer auch die absoluten Emissionswerte berücksichtigt werden. Anschließend präsentierte Dr. Johannes Schmidt-Mosig (VetVise GmbH), wie digitale Tools wie Kameras und Datenanalysen helfen können, fundierte Entscheidungen im Stallmanagement zu treffen. Den Tag schlossen Jochen Meyer und seine Tochter Marlene Meyer ab, die ihre Erfahrungen mit Digitalisierung und der Ringelschwanzproblematik in Ställen der Haltungsstufe 4 teilten und ihre selbst programmierte KI zur Früherkennung von Schwanzbeißen vorstellten. Der Abend klang bei einem gemeinsamen Abendessen und offenem fachlichen Austausch aus.

Am zweiten Tag besichtigten die Teilnehmenden den Impulsbetrieb Jonas und Klaus Lange GbR in Borgentreich-Körbecke. Die Familie Lange betreibt eine Schweinezucht mit knapp 450 Zuchtsauen aus Eigenremontierung, 2200 Ferkelaufzuchtplätzen und 500 Mastplätzen auf 156 Hektar Nutzfläche. Besonderes Augenmerk lag auf dem erweiterten Stallkonzept: Die Sauen nutzen sowohl den Warmstall mit computergesteuerter Belüftung und Abruffütterung als auch einen errichteten Außenklimastall, der den Tieren selbstbestimmten Zugang nach innen und außen ermöglicht. Zusätzlich sorgt Raufutter für Beschäftigung. Darüber hinaus konnten die Teilnehmenden Einblicke in Ferkelaufzucht und Ebermast gewinnen. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an Jonas und Klaus Lange.

Nach einem Mittagsimbiss folgte die Abschlussrunde mit Evaluation des Treffens. Die Teilnehmenden kehrten mit neuen fachlichen Impulsen, vertieften Kontakten und praxisrelevantem Wissen zurück auf ihre Betriebe. Wir bedanken uns herzlich bei allen Betrieben, die an der Tagung teilgenommen und zu ihrem Erfolg beigetragen haben. Für das Projektteam beginnt nun die Vorbereitung des nächsten Treffens, und wir würden uns freuen, möglichst viele dort wiederzusehen.

Autorin: Paulina Kluger, FiBl Deutschland e.V.