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Bei der Klauenpflege muss die Sicherheit für Tier und Mensch gewährleistet sein. Ein geeigneter Klauenpflegestand, gut geplante Zuführungssysteme und fundierte Kenntnisse beim durchführenden Personals stellen dafür die Basis dar. Die Sicherheit beginnt schon mit der Auswahl des Klauenpflegestandes, denn bei falscher Ausstattung können Verletzungen, im Extremfall bis zum Totalverlust, entstehen. Ein rücksichtsvoller und umsichtiger Umgang mit dem Tier, gepaart mit einem zügigen Arbeiten im Stand, ist Grundvoraussetzung für eine Senkung des Verletzungsrisikos. Andernfalls sind Verletzungen in jedem Klauenpflegestand möglich. Informationen zum korrekten und sicheren Tierverkehr finden Sie im Leitfaden Integration und Organisation der Klauenpflege.

Um den passenden Klauenpflegestand für den eigenen Betrieb zu finden, sollten vorab verschiedene Modelle (z. B. durch Vorführungen, auf Messen oder im Rahmen von Klauenpflegekursen) begutachtet und bestenfalls auch selbst getestet werden. Zur Auswahl stehen Kipp- oder Durchtreibestände, die in Bezug zur Sicherheit kaum Unterschiede vorweisen. Für die betriebseigenen Abläufe gilt es abzuwägen, ob der Stand mobil betrieben oder festverbaut werden soll. Häufig lassen sich festverbaute Stände besser in die regelmäßigen Routineabläufe integrieren und sind daher zu empfehlen.

 

Anforderungen an Klauenpflegestände

Der Klauenpflegestand sollte eine gute Ausstattung besitzen, individuell an die Körpergröße der damit arbeitenden Person angepasst werden können und auch passend für die Kühe gewählt werden. Die Größe der Tiere ist ein wichtiges Kriterium, denn durch einen falsch an die Tiere angepassten Klauenpflegestand können Fixationsschäden (z. B. Abschürfungen, etc.) oder Stress entstehen. Bei hochtragenden Tieren oder Tieren mit gesundheitlichen Vorschädigungen (z. B. Verletzungen an Gliedmaßen, großflächigen offenen Wunden oder frisch operierten Tieren) muss die Dringlichkeit der Klauenpflege tierindividuell abgewogen werden.

Eine CE-Kennzeichnung des Standes muss vorhanden sein. Vor jeder Klauenpflege müssen alle Verschleißteile bzw. der Stand selbst auf Schäden kontrolliert werden, um Verletzungen für Tier und Mensch zu verhindern.

Der Zugang zum Klauenpflegestand sollte eben und mit einer trittsicheren Oberfläche ausgestattet sein. Außerdem sollte ein freier Eintrieb möglich sein sowie der Kopf des Tieres optimalerweise durch eine Selbstfangeinrichtung gefangen bzw. fixiert werden.

Mit individuell anpassbaren Bauchgurten und Oberschenkelschlaufen kann das Tier fixiert werden, wodurch Verletzungen während der Arbeit am Tier verhindert werden sollen. Je nach Hersteller können auch Ketten mit Plastikummantelung oder Seile zum Einsatz kommen. Durch eine individuelle Anpassung soll gewährleistet werden, dass Nerven und Blutgefäße an den jeweiligen Körperregionen nicht gequetscht werden. Durch die komplette Fixierung kann die Kuh ihre Haltung und Position nicht stark verändern, was das Risiko von Verletzungen minimiert. Auch um Verspannungen der Muskeln oder Überstreckungen der Gelenke mit Zerrungen der Sehnen und Bänder vorzubeugen, sollen die Gliedmaßen nur in natürlicher Haltung fixiert werden. Bei einer Fixierung durch einen W-Bügel wird zudem gewährleistet, dass die Gliedmaßen auch seitlich gesichert sind und eine Klauenhornkorrektur im Millimeterbereich sicher durchgeführt werden kann (Abb. 2 & 3).

 

Die Kontaktflächen aller Fixationsvorrichtungen dürfen in Gestaltung und Verarbeitung kein Verletzungsrisiko für das Tier bergen (z. B. scharfe Kanten etc.).

Bei mechanischen Ständen muss eine Rückschlagsicherung für die Handkurbeln vorhanden sein. Wichtig ist unter anderem, dass die Fixiereinrichtungen am Stand auch unter Last sofort lösbar sind. Elektrische Bedieneinheiten müssen von sicherer Stelle aus immer erreichbar sein.

Arbeitssicherheit

Für die klauenpflegende Person reduziert die komplette Fixierung der Kuh das Verletzungsrisiko und erhöht die Arbeitssicherheit wesentlich. Um genügend Licht für die sichere Arbeit an der Klaue zu haben, ist eine gute, blendfreie Beleuchtung des Arbeitsfeldes ohne Schattenwurf mit mind. 500 Lux Beleuchtungsstärke Voraussetzung. Bei einem höhenverstellbaren Stand kann von allen Seiten an den Klauen in ergonomischer Körperhaltung gearbeitet werden, wodurch v.a. auch der Rücken langfristig geschont wird. Durch einen Ausfallschritt nach vorne verbessert sich die Standsicherheit und die Wirbelsäule wird entlastet (Abb. 4, 5 & 6).

Die persönliche Schutzausrüstung ist bei der Klauenpflege besonders wichtig und spielt eine große Rolle für die Arbeitssicherheit. Die Vorschriften der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft zur Arbeitssicherheit (SVLFG) sind zu beachten. Zwingend notwendig sind hier die profilierten Sicherheitsschuhe/-stiefel zu nennen.

Zu der persönlichen Schutzausrüstung bei der Klauenpflege gehören (kann je nach eingesetzten Werkzeugen variieren):

  • Schutzbrille zum Schutz vor umherfliegenden Klauenspänen bei Arbeiten mit Winkelschleifern
  • Gehörschutz beim Einsatz von Winkelschleifern
  • Handschuhe
  • desinfizierbare oder Einweghandschuhe bei Verwendung von chemischen Mitteln oder antibiotikahaltigen Sprays und bei Behandlung von infektiösen Erkrankungen.
  • Unterarmschutz
  • Lederschürze
  • Staubschutzmaske je nachdem welche Klauenscheibe (z. B. Granulatscheiben) eingesetzt wird

Bei Verwendung von chemischen Mitteln (z. B. Klebstoffe zum Kleben von PVC- oder Holzklötzen) oder antibiotikahaltigen Sprays (z. B. Blauspray) sind die jeweiligen Gebrauchsanleitungen und die dort aufgezeigten Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, um eine sichere Anwendung für Mensch und Tiere zu gewährleisten.

Für die Klauenpflege werden verschiedene Werkzeuge für die unterschiedlichen Arbeitsweisen und/oder aufgrund der persönlichen Vorliebe genutzt. Zum Einsatz kommen Klauenmesser, Zangen, Klauenscheren und Winkelschleifer mit Granulat- oder Messerscheiben, die unterschiedliche Anforderungen hinsichtlich des Umgangs haben.

Bei Messern, Klauenscheren und Zangen muss darauf geachtet werden, dass diese genügend geschärft sind, um klare, glatte und saubere Schnitte ohne viel Krafteinsatz führen zu können. Beim Schneiden mit dem Klauenmesser sollte immer in Richtung der eigenen Hand gearbeitet werden. Aufgrund dessen gibt es eine links- und rechtsschneidende Ausführung im Handel, die im Wechsel genutzt werden. Um Verletzungen vorzubeugen und die Schnitthaltigkeit zu bewahren, können die Klauenmesser in den Arbeitspausen sicher z. B. in Ledertaschen oder Zitzengummis aufbewahrt werden (Abb. 7). Letztere lassen sich, um eine Übertragung von Krankheitserregern zu vermeiden, leichter reinigen und desinfizieren. Auch Klauenscheren und Zangen bedürfen einer richtigen Verwahrung bei Nichtbenutzung. Sie werden am Stand liegend oder hängend aufbewahrt und gehören nicht auf den Boden.

Bei elektrischen Geräten gibt es im Hinblick auf den Arbeitsschutz deutlich mehr zu beachten. Wie vorgeschrieben, müssen diese jährlich durch eine Arbeitssicherheitsfachkraft überprüft werden. Ein FI-Schutzschalter (> 30 mA) zur Vermeidung gefährlicher Körperströme ist dringend notwendig. Winkelschleifer müssen mit zwei Händen gehalten werden. Auch sogenannte Einhandwinkelschleifer bilden keine Ausnahme und müssen mit zwei Händen geführt werden. Daher sind ein seitlicher Handgriff sowie ein Scheibenschutz zwingend notwendig. Für eine korrekte und ergonomische Haltung kann der Handgriff im 45°-Winkel angebracht sein. Es empfiehlt sich, eine ergonomisch, gut erreichbare Halterung für den Winkelschleifer am Klauenstand anzubringen (Abb. 9). Scheiben dürfen maximal eine geringe Unwucht aufweisen, um einer starken Vibrationseinwirkung vor allem auf Hände und Arme vorzubeugen. Zusätzlich können vibrationsmindernde Griffe für den Winkelschleifer angeschafft werden. Grundsätzlich gilt, dass je aggressiver die Scheiben des Winkelschleifers sind, desto sicherer muss der Unterfuß während der Arbeit am Tier fixiert sein, um Verletzungen vorzubeugen.

Hygiene

Die allgemeinen Hygieneregeln für Personen gelten auch bei der Klauenpflege, um die Übertragung von Krankheitserregern zu minimieren. In jedem Fall sollten sowohl die klauenpflegende Person als auch mit den Arbeitsmaterialien in Berührung kommende Helfer die Hände vor und nach der Arbeit gründlich mit Wasser und Seife waschen. Bestenfalls sind Einweghandschuhe zu tragen, besonders mit Sicht auf die von Tieren auf den Menschen übertragbaren Krankheiten (Zoonosen). Das Waschen der Arbeitskleidung nach jedem Betrieb sollte bei externen Klauenpflegern selbstverständlich sein. Im Idealfall verbleibt die individuelle Arbeitskleidung auf dem Betrieb und kommt nur hier zum Einsatz.

Nach Abschluss der Klauenpflege ist eine gründliche Reinigung und ggf. Desinfektion des Klauenpflegestandes und des Werkzeugs wichtig. Der Stand wird mit dem Hochdruckreiniger gereinigt. Das verwendete Werkzeug lässt sich am besten mit einer Bürste und warmem Wasser reinigen. Bei starken Verschmutzungen sollte mit reinigenden Zusätzen im Waschwasser gearbeitet werden. Klauenmesser mit Kunststoffgriff lassen sich wesentlich sicherer reinigen als Messer mit einem Holzgriff. Falls im Betrieb ein hoher Infektionsdruck durch vermehrtes Auftreten ansteckender (Klauen-) Erkrankungen herrscht, ist eine nachfolgende Desinfektion der Geräte und des Standes sinnvoll. Studien bewiesen, dass vermehrungsfähige Erreger, wie z. B. Treponemen, sind auf Klauenmessern zu finden waren, wenn nicht desinfiziert wird.

Nach der Nassreinigung müssen der Klauenpflegestand und die Werkzeuge vor einer Desinfektion vollständig getrocknet sein, damit das Desinfektionsmittel seine vollständige Wirkung entfalten kann. Es sollten nur DVG geprüfte Desinfektionsmittel zur Verwendung genutzt werden. Dabei ist besonders auf das Wirkspektrum zu achten. Bei der externen Klauenpflege reinigen und desinfizieren die Klauenpfleger selbst ihre Gerätschaften und Klauenpflegestände. Die Sauberkeit aller Gerätschaften sollte allerdings trotzdem vor dem Klauenpflegen überprüft werden, um ein Einschleppen von Krankheiten aus anderen Ställen zu vermeiden.

Fazit

Bei guter Vorausplanung, technischer Ausstattung und Durchführung lässt sich die Klauenpflege sicher und mit geringem Verletzungsrisiko für Mensch und Tier durchführen. Abschließend lässt sich sagen, dass ein rücksichtsvoller Umgang mit dem Tier der beste Weg ist, sicher zu arbeiten.

  • Dr. Hans-Joachim Herrmann, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen
  • Antoine Janssen, Fachagrarwirt Klauenpflege
  • Mag. Hubert Reßler, Hochstädter Klauenpflege GmbH
  • Dr. Jörg Willig, Rindergesundheitsdienst, LUFA Nord-West 

Wir danken auch Dr. Fanny Rachidi, Klinik für Klauentiere, Universität Leipzig, für die wertvolle Unterstützung.

  • Caroline Leubner, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Literatur

DLG e. V. (2010). DLG Merkblatt 362 Klauenpflegestände. 1 Auflage. DLG e. V.

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Hulek, M. (2005). Klauengesundheit & Klauenpflege. Stocker.

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Schneller, W. (1984). Gesunde Klauen-leistungsfähige Rinder: Bedeutung, Ursachen, Vorbeuge u. Behandlung von Klauenschäden. Schober.

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Rosensteiner GmbH. Der eigene - gut organisierte Rinder-PflegeplatzCheckliste. https://rosensteiner.at/fileadmin/user_upload/Checkliste_Pflegeplatz.pdf https://rosensteiner.at/produkte/klauenpflege/pflegeplatz

Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (2017). Aktuelles zu Sicherheit und Gesundheitsschutz. https://docplayer.org/73892334-B20-aktuelles-zu-sicherheit-und-gesundheitsschutz-rinderhaltung.html